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Ganjaman Interview 28.02.2012

29.02.2012

Am gestrigen Nachmittag nahm Ganjaman sich die Zeit, um uns für ein nettes Gespräch mit Grünem Tee in seinem heimischen Tonstudio zu empfangen. Wir sprachen über gute und böse Cops, über Graskonsum und über die Entwicklung Berlins. Das ausführliche Interview könnt ihr hier lesen.

 

Und wer nun den Drang verspürt den Guten mal wieder live zu erleben, dem sei die Veranstaltung „Tanzhalle“ am kommenden Freitag (02.03.12) im Yaam ans Herz gelegt. Dort steht neben Ganjaman auch Ede Whiteman auf der Bühne und als Djs stehen Lou Large und Papa irie an den Decks.
 
Hallo Ganjaman, vorweg erst mal vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Dein Name ist ja ein Stück weit Programm, was hälst du von dem Konzept der Linken zu der Legalisierung von Cannabis?
 
Also ich hab mich nicht so detailliert damit beschäftigt. Vielleicht ist es eine Alternative oder eine Möglichkeit damit umzugehen, aber ich glaube nicht das es längerfristig dem entsprechen kann, was notwendig ist. Nämlich eine grundsätzliche Gesetzesänderung oder ein grundsätzliches Umdenken in der Prävention und dem Umgang mit Drogen/ Drogenkonsum und dem was wir dazu zählen. Also, denke ich, dass es eher eine Möglichkeit ist mit dem Symptom umzugehen, aber es nimmt keinen Einfluss auf die Ursache und die Thematik die damit einhergeht, dass wir als mündige Bürger entmündigt werden, weil wir nicht die Möglichkeit haben selbst zu entscheiden was wir zu uns nehmen, in welchen Mengen wir es zu uns nehmen und in welcher Qualität wir es zu uns nehme. Wir sind frei in der Entscheidung zu trinken was und wieviel wir wollen, wobei wir wissen das Alkohol natürlich eine der größten Einstiegsdrogen ist, weil wir alle wissen, dass wir, bevor wir auch nur eine Zigarette geraucht, einen Joint gezogen oder uns einen Druck gesetzt haben, wir irgendwann mal Alkohol zu uns genommen haben. Und sei es an Silvester, wo wir von unseren Eltern ein kleines Glas Sekt bekommen haben. Alkohol ist und bleibt die Droge mit den meisten Folgeschäden und den meisten Drogentoten im Jahr. Unter diesen Umständen ist die Prävention und Kriminalisierung von Cannabisprodukten überhaupt nicht vergleichbar und entbehrt jeder Verhältnismäßigkeit. Ich denke es gilt einfach grundsätzlich Umzudenken.
 
 
Glaubst du, dass es ein Problem der Gesellschaft ist, das Cannabiskonsumenten in manchen Kreisen der Gesellschaft als schlichte Drogenkonsumenten abgestempelt werden, was muss passieren damit die Gesellschaft anfängt umzudenken?
 
Ich denke grundsätzlich das es ein Teil einer Symptomatik einer Gesellschaft ist, die zu großen in der Lage ist, aber dennoch nicht funktioniert. Also im Prinzip haben wir gesellschaftlich genauso wie zwischenmenschlich unheimlich viele Probleme, die wir im tagtäglichen Leben nicht bewältigen können. Sei es im Streit mit unseren Nachbarn, sei es unsere vermeintliche Wirtschaftslage, die mal dahin gestellt sei. Es geht grundsätzlich darum das wir in der Gesellschaft ganz viele Probleme haben, die wir nicht bewerkstelligen können, und wir uns immer wieder auf kleine Sachen stürzen und immer wieder probieren als Symptomatik unter Kontrolle zu bekommen, ohne zu verstehen das es eine ganz andere Ursache hat. Ich denke es geht, gerade bei dem Thema Legalisierung darum, dass wir als Gesellschaft im globalen diese Veränderung durchleben die notwendig ist, ansonsten fahren wir den Karren an die Wand. Es ist ein sehr komplexes Thema womit man Bücher füllen könnte, wenn man nicht oberflächlich darüber sprechen will, leider haben wir dafür an dieser Stelle zu wenig Zeit.
 
Wenn man Berlin mal mit anderen Bundesländern wie Bayern vergleicht, haben wir ja doch eine relativ liberale Drogenpolitik, fühlst du dich trotzdem ein Stück weit verfolgt oder rauchst du relativ unbefangen?
 
Hm, also ich habe im Laufe der letzten Jahre gelernt mich grundsätzlich von dem Gedanken frei zu machen, das ich als Kiffer kriminalisiert bin. Die Frage ist ja viel eher wie weit du dich selbst kriminalisierst. Es ist eine Sache, ob du schon mal mit der Polizei Erfahrungen gemacht hast, oder auch mal in U-Haft saßt; diese Erfahrungen habe ich auch schon gesammelt; und aufgrund meiner Herkunft habe ich eh immer so ein paralysiertes Bild von Personen in Grün gehabt und immer gedacht „okay, die sind jetzt nur wegen mir da“. Aber irgendwann hab ich verstanden „halt, nicht jeder Polizist ist ein Schläger, und nicht jeder Polizist ist ein Rassist oder Faschist. Nicht jeder Polizist will primär mir an den Kragen.“ Ich bin grundsätzlich erstmal kein Problem. Ich stelle kein Problem dar, weil ich weder Streit noch Stress suche. Und ich will solche Sachen auch nicht anziehen. Ich habe verstanden das diese Leute ihren Job machen und beschäftigt sind wenn ich ihnen gegenüber trete, sie wollen aber nicht unbedingt etwas von mir, ich übertrage das nicht auf mich. Ich habe mich dahingehend entkriminalisiert, das es tatsächlich schlimme Dinge auf dieser Welt gibt und es mit Sicherheit auch Leute gibt die in ihrer Kindheit zu viel TKKG oder ??? gehört haben und darum zur Polizei gehen. Das fanden wir ja auch alle cool, und natürlich wäre ich auch gern Justus Jonas und würde Verbrechen lösen. Aber ich glaube prinzipiell an das Gute im Menschen und glaube nicht das jemand aus dem Grunde zu Polizei geht, um aggressiv in Demonstranten zu springen oder mich als Konsumenten zu verfolgen. Das ist dann ein langer Prozess der Resignation, die stattfindet bis ein Mensch irgendwann an der Stelle ist, das er angepisst ist weil er als vermeidlicher Staatsvertreter, der für etwas dasteht, was er garnicht zu verantworten hat. Weil weder die Menschen noch die Polizisten die bei einer Demonstration sind, sind verantwortlich für den Grund für den Sie da sind. Das ist ja das Schizophrene daran. Aber das scheint ja keiner zu durchschauen.
 
Was ist denn dann deine Meinung zu der Abendgestaltung am 1. Mai in Kreuzberg oder dem Hamburger Schanzenviertel? Da geht meiner Auffassung nach ja schon lange nicht mehr um Politik sondern nur noch gegen die Cops.
 
Das Problem ist, das solche Dinge sehr stark instrumentalisiert werden. Wir Menschen kommen ja immer in Interessengemeinschaften zusammen. Und so schizophren es sein mag aber so ist es ja auch am 1. Mai. Es gibt Leute wie du und mich, die in erster Linie Stimme sein wollen, und die ein Zeichen setzen wollen. Wir gehen dahin und sind Repräsentativ und um das System, in dem wir uns befinden, aufrecht zu erhalten sind natürlich Legitimationen notwendig. Der Staat benötigt Legitimationen um die dir erlaubt Gesetze zu erlassen, Freiheitsrechte einzuschränken, Bewegungsrechte einzuschränken, Bewegungsprofile zu erstellen, du brauchst dafür ja irgendeinen Grund. Jetzt gibt es natürlich viele Theorien und Leute, die viel erzählen, das es jetzt Infiltrationen gibt. Es gab in den 80er Jahren schon Gerüchte das Zivis in den Schwarzen Blöcken mitlaufen, die dann den ersten Stein geschmissen haben etc. Aber so eine destabile Lage erlaubt dir in der öffentlichen Bevölkerung ja immer Dinge zu erlassen die sonst nicht auf große Akzeptanz gestoßen wären. Also was ich persönlich mit meinen eigenen Augen gesehen habe als wir das letzte mal auf dem 1. Mai gespielt haben, und ich habe die letztem 10 Jahre fast jedes Jahr in Kreuzberg gespielt,…Als es gerade dunkel wurde habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen, das an einer Ecke eine etwa 4 köpfige Personengruppe stand, die vermeidlich autonom gekleidet, aber wiederum mit Handschellen ausgestattet waren. Da haben wir schonmal sehr verdutzt geguckt. Als wir weiter gelaufen sind hielt ein verdunkelter VW Bus direkt vor uns an, und es sprangen wieder vermeidlich dunkel gekleidete „Autonome“ entgegen, die aber auch wieder mit Handschellen, Kabelbindern und Handschuhen ausgestattet waren. Diese Gruppe rannte sogar straight in die Menge. Als ich daraufhin ein Spruch gebracht habe, drehte sich einer der Cops noch um und ließ mich in einem Satz verstehen das ich besser die Schnauze halten solle. Dass es im Interesse von ein paar wenigen ist, den Polizeistaat weiter auszubauen würde jetzt wahrscheinlich wieder Bücher füllen. Aber was am Ende des Tages doch offensichtlich ist, ist doch die Tatsache, dass wir eine unnötig große Polizeipräsenz haben, wir eine Überwachungspolitik haben und die darauf hinaus läuft die nicht Präventiv ist. Wenn irgendwo eine Kamera hängt dann verhindert die nicht, dass du von ein paar besoffenen Verprügelt wirst, sondern sie filmt das Ganze nur. Und warum? Damit man das ganze Medial ausschlachten kann. Es schürt die Angst in der Bevölkerung und somit die Legitimation den Polizeistaat weiter auszubauen.
 
Wäre denn die Mitgliedschaft in einer Partei für dich vorstellbar, vorausgesetzt du kannst dich mit dessen Inhalten identifizieren?
 
Die Partei gibt es nicht. Das ist das Problem, denn die Welt die in meinem Kopf existiert, existiert ohne Parteisysteme. Ich habe die Vorstellung von einer Welt die in sich so eigenständig ist das jeder Mensch in Selbstverwaltung Leben kann wenn er das möchte und sich jeder Mensch zu Interessengemeinschaften zusammenschließen kann wenn er denn möchte. Das kann man dann Verein, oder Partei oder Bruderschaft nennen wie man will, da bin ich relativ schmerzfrei. Jede Medaille hat zwei Seiten, denn wenn ich an dem Verlauf eines Spiels etwas verändern möchte, muss ich es mit seinen Regeln spielen, als Zuschauer habe ich kein Anrecht darauf Einfluss auf das Spiel zu nehmen wenn ich kein Spieler bin. Wenn ich aber mitspiele, habe ich Einfluss auf den Spielverlauf. Ich muss also akzeptieren, dass ich mitspielen muss um das System verändern zu können. Wenn ich mich da aktiviere, kann ich an dem Verlauf etwas verändern. Ich glaube nicht an das bestehende System, und ich glaube nicht an die bestehenden Parteistrukturen, ich glaube aber sehr wohl daran dass wir in ähnliche Fußstapfen treten um das System zu verändern. Allerdings füllen wir diese anders aus. Ich kann mir aber unter den gegebenen Umständen nicht vorstellen einer Partei beizutreten.
 
 
Du bist Berliner und kommst aus der Hausbesetzerszene, denkst du das dich deine Jugend zu dem gemacht hast was du heute bist?
 
Ich bin zwar nicht in Berlin geboren, aber mit zwei Jahren nach Berlin gekommen. So gesehen bin ich also schon Berliner. Ich meine gerade was Berlin betrifft, neigt man als Berliner ja schon dazu eine gewisse Art an Lokalpatriotismus an den Tag zu legen. Als Berliner ist man natürlich stolz auf seine Stadt. Gerade das was in den letzten 20 Jahren passiert ist gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Dessen müssen wir uns bewusst machen wenn es um Berlin geht. Berlin ist die einzige Stadt auf der Welt die über 40 Jahre getrennt war, wo Menschen gelebt haben die die gleiche Sprache sprechen und die den gleichen kulturellen Backround haben. Die dann plötzlich, als die Trennung aufgehoben wurde, interagieren konnten. Im Ostteil der Stadt lag dann viel brach was niemand haben wollen, und da sind dann Dinge passiert die nirgendwo sonst passieren konnten. Dadurch das plötzlich alte Banken oder Elektrizitätswerke verlassen waren, konnten sich irgendwelche Freaks diese Locations krallen um dort Partys zu machen, Konzerte zu geben, Ausstellungen zu mache oder Ateliers zu eröffnen. In Westberlin war alles infrastrukturiert erschlossen. Im Osten konnten sich die Freaks ausleben und ihrer Kunst freien Lauf lassen. Diese Partys waren lange illegal bis dann irgendwann verhandelt wurde und heute sind es die etabliertesten Clubs in der Stadt. Ich bin froh das ich diese Zeit miterlebt habe weil es eine krass politische Zeit war.
 
Kommen wir mal zur Musik, du bist zur Zeit sehr beschäftigt, kannst du uns schon ein paar Projekte nennen mit denen du zur Zeit beschäftigt bist?
 
Das Ding ist das die Beschäftigung bei mir einfach nicht abreißt. Ich neige immer dazu mir ganz viele Dinge ans Bein zu binden die mega mega geil sind aber die auch krass viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich bin gerad dabei mein Album fertig zu machen, habe jetzt das Album von Marc Wonder fertig gemastert was heute noch raus geht. Hab viele Masteringsachen gemacht. Sitze noch ziemlich intensiv an einer Dokumentation von Dave Rodigan wo ich die Postproduction machen. Also das Colourgrading, Filmnachbereitung, etc. An der darf ich glücklicherweise Arbeiten. Ansonsten halt mein Album, was aber immer ein Stück zur Seite rutscht weil ich halt viele Sachen mache die total interessant und ich denke auch wichtig sind. Zuletzt habe ich zum Beispiel zwei Videos von Heckert Empire gedreht. Videoproduktionen mache ich zur Zeit sehr viel.
 
Kann eventuell auch eine ganze Platte von Ganjaman and Friends erwarten?
 
Wäre denkbar. Es gibt immer wieder die Ideen einfach mal ein oder zwei Sampler zu machen wo man alle mal wieder zusammen bringt. Es ist theoretisch nicht so zeitaufwendig so einen Sampler zu machen und wir sollten es auch machen. Aber wir brauchen in unseren breitengeraden leider immer viel zu lange um etwas veröffentlichen weil wir einfach viel zu viel reflektieren. Da werden Konzepte dann plötzlich komplett über den Haufen geworfen und dadurch verrotten ganz viele unheimlich tolle Sachen auf den Festplatten.
 
Vielen Dank für das Interview und alles erdenklich Gute für die Zukunft. Wir sehen uns Freitag!
 
 
Interview Marcus 02/2012

 

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