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DUB INCORPORATION / KOMLAN Interview 2010

06.12.2010

Nach der mitreißenden Live-Show der DUB INC im Magnet Club hatten wir die Möglichkeit, ein nettes Gespräch mit Komlan, einem der Leadsänger der Crew aus St. Etienne, zu führen:

 

RIB:

Vielen Dank für die großartige Show! 2 Worte zu Berlin...??

 

Komlan:

Berlin war wie immer super. Wir kommen gerne nach Berlin, es ist eine gute Stadt hier... es ist eine europäische Hauptstadt mit einer sehr speziellen Atmosphäre

 

RIB:

Und die Tour? Noch 2 Städte in Deutschland u dann zurück nach Frankreich...?

 

Komlan:

Ja genau... Stuttgart und München, danach geht’s zurück nach Frankreich... anschließend nach Griechenland.

 

RIB:

Welches war Deiner Meinung nach das beste Konzert? Welche Stadt? Welches Land?

 

Komlan:

Land? Naja, natürlich Frankreich... Wir leben dort und sind dort natürlich am bekanntesten. Portugal und Deutschland kommen aber gleich danach...!

 

RIB:

Welche Orte in Berlin kennt Ihr?

 

Komlan:

Wir haben schon im Yaam gespielt, im Postbahnhof sowie im LIDO. Wir haben uns schon den ein oder anderen Ort in Berlin angesehen...

 

RIB:

Ein paar Worte zur Reggae-Szene in Deutschland? Was fällt Dir ein? Positiv? Negativ?

 

Komlan:

Es hat uns in Deutschland immer beeindruckt, welch professionelles Niveau Reggae hier hat! Die Bands hier sind total organisiert. In Deutschland hat die Reggae-Szene ein großes Publikum... In Frankreich ist es eher Rap und HipHop sowie französische Musik, aber Reggae läuft z.B. kaum im Radio. Hier läuft das alles im Radio und ein Riesen-Publikum kennt die Reggae Artists wie Gentleman, Seeed, Irie Revoltés... Man fühlt, dass Reggae hier wirklich eine Bewegung ist. Ihr habt hier wirklich Glück, denn Reggae wird ernst genommen, ganz im Gegenteil zu Frankreich. Es wäre toll, die gleichen Strukturen auch bei uns zu haben. In Frankreich ist Reggae immer noch eine Minderheit. Reggae trägt immer noch das alte Klischee von den Rastas, die nur kiffen und denen ansonsten alles egal ist, mit sich, man wird nicht wirklich für voll genommen.

 

RIB:

Reggae und Politik? Wie steht es mit dieser Kombination? Kann man damit etwas bewegen?

 

Komlan:

Schon vor 35 Jahren sang Bob Marley über Gerechtigkeit und Frieden. Wen wir heute nach Kíngston schauen: kein Frieden, keine Gerechtigkeit..! Leider kann die Musik nicht alles verändern. Wir versuchen eher, Fragen zu stellen. Ich hoffe immer, die Leute kommen zum Feiern und gehen bestenfalls mit einigen neuen Fragen im Kopf nach Hause... Unsere Band repräsentiert Frankreich: wir sind Araber, Afrikaner, Europäer.... Allein das ist eine Message! Es zeigt den Leuten, egal ob Du Muslim, Christ, Jude oder wer sonst bist, wir können gemeinsam etwas schaffen! Für uns ist es wichtig, diese Unity zu zeigen. Die Leute sollen nach unseren Konzerten mit einem positiven Image von Gemeinsamkeit nach Hause gehen. Da hört unsere politische Botschaft auch schon auf... Wir machen keine Politik, aber wir sprechen über Politik. Wir können die politischen Umstände nicht ändern, wir sind nur Zeugen, die über das sprechen, was passiert...

 

RIB:

Sprechen wir über Musik und politischer Bewegung. Natürlich bekommen wir hier in Deutschland mit, den letzten Wochen in Frankreich passierte. Die Demonstrationen um die Anhebung des Ruhestandalters usw... Glaubst Du, dass man Menschen durch Musik von etwas überzeugen kann bzw. sie zum Handeln bringen kann...?

 

Komlan:

Ich hoffe... Das passiert auf ganz natürliche Weise. Unser letztes Album etwa beschäftigt sich tatsächlich mit den vergangenen 2 Jahren Frankreichs unter Sarkozy. Wir wollten ein Album mit Texten machen, die eher über sehr persönliche Eindrücke sprechen! Wenn Du in den letzten 2 Jahren den Fernseher in Frankreich angemacht hast, hast Du täglich die unglaublichsten Dinge gesehen. Die Ausweisung der Roma, die Politik von Le Pen, der ein Gesetz vorschlägt, das unterschiedliche Gesetze für Franzosen und Immigranten beinhaltet usw... Mehr als die Hälfte der Texte des neuen Albums beziehen sich auf die aktuelle Situation in Frankreich. Das Album kam zu einem Zeitpunkt heraus, als die Demonstrationen grad richtig los gingen. Jetzt läuft der Song „Tous-ce qu'ils veulent“ auf den Demos in Paris... Das war nicht so geplant, zeigt uns aber doch, das da etwas passiert, dass es berührt und die Leute es übernommen haben...

 

RIB:

Und der Titel „Hors Contrôle“..? Wer ist außer Kontrolle? Seid das Ihr oder Frankreich oder die generelle Situation..? Worauf bezieht sich der Titel?

 

Komlan:

Genau! Es geht um die grundsätzliche Situation. Es in der Politik wie auch in der Musikindustrie... Die großen Labels konzentrieren sich auf den Mainstream und dann gibt es Bands wie uns, die unabhängig sind und bleiben wollen.
Mit „Hors Contrôle“ wollen wir darauf hinweisen, dass Unabhängigkeit bedeutet, dass niemand Dich kontrolliert... Wenn Du selber Deine Promo, Deine Cover usw. gestaltest, kann Dich niemand kontrollieren oder korrigieren. Wir wollen unabhängig bleiben, mental und künstlerisch, wollen uns frei entfalten und ausdrücken können - außerhalb jeglicher Kontrolle!

 

RIB:

Sprechen wir über Eure hochqualitativen LIVE Shows. Es gibt so viele diverse Elemente und Einflüsse in Euren Konzerten. Es ist viel mehr als nur Reggae. Bedeutet das, dass Ihr Euch auch an ein diverses musikalisches Publikum wendet ..?

 

Komlan:

Ja genau... Unsere Musik ist nicht nur für die Massive, nicht nur für das Soundsystem-Publikum! In Frankreich haben wir das Glück, aufgrund unserer Besetzung und unserer diversen musikalischen Einflüsse ein breite Masse ansprechen zu können. In Deutschland sind wir bisher hauptsächlich dem Reggae-Publikum bekannt und würden uns gerne noch weiter verbreiten! Wir sprechen ja über mehr als Reggae und Rastafarism, sondern über die Themen und Realitäten, die viele Menschen berühren.

 

RIB:

Was denkst Du über das musikalische Genre „Worldmusic“? Findet Ihr Euch da wieder? In Eurer Musik finden sich ja diverse weltweite Einflüsse wieder... Es ist mehr als Reggae, und es ist wahrscheinlich gut, dass Euer Style so schwierig zu kategorisieren ist... Gibt es inzwischen mehr Texte in Englisch, um Eure Message noch mehr Menschen zugänglich zu machen...??

 

Komlan:

Ja schon... In Frankreich wurde von Journalisten oft behauptet, wir machen „World Reggae“.. Aber ich habe schon immer diese Klassen und Kategorien verabscheut. Deshalb bin ich auch sehr froh, dass die Leute nicht so recht wissen, wo sie uns einordnen sollen! Schon unser Name Dub Inc.: Zunächst denkt man an Dub, aber es ist mehr als Dub... Die Leute sollen sich ruhig fragen, was es ist...!!!

 

RIB:

Dennoch ist ein starker jamaikanischer Einfluss in diesem Album nicht zu überhören...

 

Komlan:

Ja klar! Es bleibt ja auch Reggae! Unser Aufenthalt in Jamaika und die Zusammenarbeit hat uns natürlich stark beeinflusst...

 

RIB:

Wie lange habt Ihr für das neue Album gebraucht..? Seid Ihr noch beim gleichen Label?

 

Komlan:

Wir haben 1 Jahr komponiert und aufgenommen. Die Aufnahmen wurden übrigens in München gemacht. Wir machen im Grunde Eigenproduktion, aber wir haben mit naive den letzten unabhängigen Distributor, der die Musik-Krise überlebt hat...

 

RIB:

Letzte Frage: Wo siehst Du Dub Inc. in 5 Jahren?

 

Komlan (lacht):

Ich hoffe, wir bleiben, wie wir sind... Mit neuen Songs und neuen Vibes...

Hauptsache, wir bleiben zusammen...!

 

RIB:

Merci beaucoup!

 

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