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HELP Jamaica Center

10.05.2011

Strand, Rum und Reggae sind oft die ersten Dinge, die viele Menschen mit Jamaika assoziieren. Dass in dem Land, das nicht mal so viele Einwohner hat wie Berlin, statistisch gesehen täglich vier bis fünf Menschen ermordet werden, dass das Bruttosozialprodukt gerade mal bei 3330 US-Dollar liegt und dass viele Jugendliche die Schule abbrechen, um Geld auf der Straße zu verdienen, wissen dagegen die wenigsten.

 

Die Ursachen der Gewalt und der Kriminalität auf der Insel sind altbekannt. Armut, ein niedriges Bildungsniveau und Perspektivlosigkeit lassen viele Jugendliche auf die schiefe Bahn geraten. In vielen Familien fehlt das Geld für Bücher, den Schulbus oder die Schuluniform, weshalb viele Kinder nur unregelmäßig zur Schule gehen.

Der gemeinnützige Verein HELP Jamaica! e.V. hat es sich zum Ziel gemacht, auf diese Missstände aufmerksam zu machen und viel wichtiger noch: aktiv Hilfe zu leisten. HELP Jamaica! hat sich im Jahr 2008 gegründet und arbeitet seit Sommer 2009 mit einer eigenen Partnerorganisation namens „Help Establish Library Projects in Jamaica“ zusammen.

 

Um den Teufelskreis von Gewalt und Armut zu durchbrechen, hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, unabhängige Bildungseinrichtungen in bedürftigen Gegenden Jamaikas zu errichten. Kinder sollen dort freien und kostenlosen Zugang zu Büchern und somit zu Bildung erhalten. Dadurch werden ihnen Perspektiven für die Zukunft aufgezeigt, die ihnen ein besseres Leben ermöglichen sollen. Dabei orientierte sich der Verein anfänglich an einer ähnlichen Einrichtung in Trench Town, dem Geburtsort Bob Marleys. Das 'Trench Towm Reading Center' wurde 1993 eröffnet und wird seit 2008 von HELP Jamaica! finanziell unterstützt.

 

Das erste eigene Projekt von HELP Jamaica! besteht darin ein ähnliches Centers in Cassava Piece (auf Jamaika auch oft 'Gully Side genannt), einer der ärmsten Communities in der Hauptstadt Kingston, zu errichten. Ein passendes Gebäude war schnell gefunden. Am Rande von Cassava Piece zwischen der High School und der Polizei-Wache stand ein altes, schon recht verfallenes Gebäude. Dieses war früher einmal eine kleine Klinik, bevor es vor Jahren von einem Hurrikan zerstört wurde. Danach diente es der benachbarten High School als zusätzliches Klassenzimmer, bis es schließlich ganz leer stand und immer weiter verfiel. Zu der Zeit, als sich HELP Jamaica! um die „Old Clinic“ bemühte, wohnte in einem Teil des Gebäudes ein Mann mit seiner Familie. Niemand wusste so recht wann und mit welcher Berechtigung er dort eingezogen war, doch da er von Anfang an großes Interesse an dem Projekt zeigte, wurde er kurzer Hand als Hausmeister eingestellt und samt seiner Familie in eine neu gebaute Hütte auf dem Gelände des Centers umgesiedelt. 

Bis dahin war es jedoch ein langer Weg. Der Verein stieß besonders bei der Zusammenarbeit mit den jamaikanischen Behörden immer wieder auf Schwierigkeiten, welche die Eröffnung des Centers herauszögerten. Da zu dieser Zeit kein Mitglied von HELP Jamaica! persönlich vor Ort sein konnte, fand sämtliche Kommunikation nur über E-Mails und Telefon statt, was die Arbeit zusätzlich erschwerte.

Nach langwieriger Vorarbeit konnten die Renovierungsarbeiten dann endlich im Sommer 2010 beginnen. Es wurden unter anderem Teile des Dachs erneuert, neue Strom- und Wasserleitungen verlegt und neue Türen und Fenster eingesetzt. Die Pläne der Organisation sprachen sich schnell in der Community herum und es fanden sich viele freiwillige Helfer, die das Gelände vom Müll befreiten und dem Haus einen neuen Außen- und Innenanstrich verpassten. Auch wurden neue Pflanzen auf dem Gelände gepflanzt und die Mauern liebevoll mit verziert.

Im Oktober vergangenen Jahres wurde eine Bibliothekarin eingestellt, welche die Leitung des Centers übernehmen sollte und im Vorfeld mit dem sammeln von Büchern und diversen anderen Organisationsaufgaben betraut war. Während der letzten Phase der Bauarbeiten, in der zwei der Gründungsmitglieder von HELP Jamaica! permanent vor Ort waren, mussten noch einmal alle mit anpacken, damit das Center zum geplanten Eröffnungstermin fertiggestellt werden konnte. Trotz des immensen Arbeitsaufwand, die die Renovierung des Gebäudes in Anspruch nahm, veranstaltete der Verein noch ein HELP Jamaica! Fußballturnier, bei dem sogar der Dancehall-Star Mavado, welcher selbst in Cassava Piece aufwuchs, anwesend war. Auch leistete der Verein noch weitere Community-Arbeit, um Kinder und Erwachsene aus der Nachbarschaft für das neue Center zu begeistern. HELP Jamaica! war von Anfang darauf bedacht, möglichst viele Bewohner von Cassava Piece selbst in den Entstehungsprozess des Centers und dessen zukünftige Betreuung miteinzubeziehen. In mehreren Community Meetings, bei denen auch Vertreter der örtliche High School und der Polizei anwesend waren, wurde über die Gestaltung und die Organisation des Education Centers beraten und gemeinsame Lösungen gefunden. Dies war wichtig, da solch ein Projekt nicht ohne die Unterstützung der Anwohner funktionieren kann.

 

Während die Vorbereitungen auf Jamaika auf Hochtouren liefen, waren die daheim gebliebenen Mitlieder damit beschäftigt Spenden zu sammeln und den Verein und sein Projekt weiter bekannt zu machen. Im Sommer 2010 kooperierte HELP Jamaica! mit den Veranstaltern des Summerjam und des Reggaejam, den beiden größten Reggae/Dancehall-Festivals in Deutschland und erhielt mehrere tausend Euro Spenden. Auch bekam der Verein im letzten Jahr Unterstützung von der deutschen Botschaft auf Jamaika, welche die Erichtung des Cassava Piece Education Centers mit umgerechnet ca. 10.000 Euro förderte. Mit Hilfe dieser Spenden konnte das erste Center errichtet werden.

Der Verein verfügt über ein internationales Netzwerk aus Musikern, Sängern, Soundsystems und Veranstaltern, die HELP Jamaica! unterstützen. Momentan erhält die Organisation einen Großteil ihrer Spenden aus Einnahmen aus Charity-Konzerten und Partys. Um zu gewährleisten, dass 100 Prozent der Spenden direkt an das Education Center fließen können, werden die Kosten für Werbematerialien und Verwaltung gedeckt durch Aktionen wie den Verkauf des HELP Jamaica! Charity Kalenders oder des "Gully Side College T-Shirts", das in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Modelabel Skank kreiert wurde.

 

Am 3. Februar 2011 war es dann endlich so weit. Das erste HELP Jamaica Education Center öffnete zum ersten Mal seine Türen für neugierige Besucher. Eigentlich sollte das Center ja noch im Jahr 2010 eröffnet werden, doch ticken die Uhren auf der Insel wohl doch ein bisschen anders als im durchstrukturierten und organisierten Deutschland.

Bei der Eröffnung waren neben einigen Vereinsmitgliedern und Helfern auch der deutsche Botschafter, der Member of Parliament für Cassava Piece, Karl Samuda, der Direktor des Kulturressorts der jamaikanischen Regierung, sowie zahlreiche Vertreter der Jamaican Book Industry Association, von Verlagen und Buchhandlungen. Die Eröffungsfeier begann am Vormittag mit feierlichen Ansprachen und Danksagungen. Für musikalische Untermalung sorgten unter anderem der Reggae Sänger Romain Virgo und die Kingston Drummers, welche später noch einen Trommelworkshop für die anwesenden Kinder gaben.

Der Ansturm war groß. Nachdem der offizielle Teil beendet war, drängten sich ca. 150 Kinder, die meisten in ihren Schuluniformen, in das Center, um die neuen Bücher zu bestaunen. Schon Monate in Vorfeld hatte die Vereinsmitglieder in Deutschland und auf Jamaika damit begonnen Bücherspenden zu sammeln. Die Auswahl reicht von Kinderbüchern aus der Karibik über Jugendromane bis hinzu Geschichtsbüchern und Biografien von Sam Sharpe, Marcus Garvey und anderen wichtigen jamaikanischen Persönlichkeiten. Es gibt auch eine Ecke mit fünf Computern, die den Kindern und Jugendlichen Zugang zum Internet ermöglicht. Dabei soll es jedoch nicht nur um Youtube und diverse online spiele gehen. Es werden Kurse angeboten, die Kindern und auch Erwachsenen die Grundlagen der Computer-Nutzung nahebringen und die den bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet vermitteln. Das Internet wird als Nachrichten- und Informationsquelle für Rechercheprojekte genutzt und die Anwendung von grundlegenden Computerprogrammen wie Word und Exel erlernt. Es gibt ein tägliches Angebot von betreuter Hausaufgabenhilfe, Unterstützung beim Lesen und Schreiben lernen, kreatives Schreiben, Gartenkurse, sowie Mal- und Bastelkurse und vieles mehr. Auch sollen mit den Kindern Ausflüge zu geschichtsträchtigen Orten in Jamaika gemacht werden, um das Interesse an der eigenen Landesgeschichte zu wecken. Wenn mehr Gelder für Personal vorhanden sind, soll das Angebot ständig weiter ausgebaut werden.

 

Ein motiviertes Team bestehend aus einem Lehrer und diversen Assistenzkräften aus der Community leisten wunderbare Arbeit. Freiwillige und Praktikanten aus Europa sowie aus Jamaika unterstützen die Arbeit tatkräftig und bieten immer neue Impulse.

 

 

Wie sehr eine solche Einrichtung in Cassava Piece gebraucht wird, merkt man an dem großen Andrang, der sich schon in den ersten Wochen nach der Eröffnung abzeichnet. Oft genug müssen die Mitarbeiter einen Teil der Kinder wieder nach Hause schicken und auf später vertrösten, da sie im Center nicht alle gleichzeitig betreuen können. Die Begeisterung der Kinder ist groß, denn zu Hause bekommen sie meist nicht genug Aufmerksamkeit und es mangelt vor allem an Unterstützung beim Lernen und bei den Hausaufgaben.

Hauptsächlich richtet sich das Angebot des Centers an Kinder und Jugendliche zwischen vier und 16 Jahren, doch sollen auch immer wieder Veranstaltungen für Erwachsene stattfinden. So wurden im Februar anlässlich des Black History Month mehrere Vorträge gehalten, die zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Identität anregten.

Längst ist noch nicht alles fertig im Center und die Vereinsmitglieder sind nach wie vor auf der Suche nach geeigneten Büchern, um den Bestand des Bibliothek zu erweitern. Auch wird es noch eine Weile dauern bis im Center Alltag eingekehrt ist und alle Abläufe reibungslos funktionieren. Doch ist mit der Eröffnung des ersten HELP Jamaica! Education Centers ein wichtiger Schritt getan, um Kindern aus Cassava Piece eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Und es sollen weitere Center folgen. Hierfür ist der Verein jedoch auf weitere Spenden und tatkräftige Helfer angewiesen.

Weitere Informationen, auch darüber, wie man den Verein am besten unterstützen kann sind auf der Website www.helpjamaica.org zu finden.

 

© Text: Reggaeinerlin.de Janika Fotos: Caterina Werner

 

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