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SERANI Interview 2012

04.04.2012

Ob als Produzent oder als Sänger, Serani ist ein fester Bestandteil von jamaikanischer Dancehall-Musik und aus der Szene nicht mehr wegzudenken.

 

Seine Produktionen haben Artists wie Mavado bekannt gemacht und er ist für einige der heißesten Riddims der letzten Jahre verantwortlich. Seit einigen Jahren ist der erfolgreiche Produzent auch selbst als Artists unterwegs und hat es spätestens nach seinem Hit „No Games“ zu internationalem Ruhm gebracht.
 
Hier nun das Interview
 
Du warst bereits schon vor zwei Jahren in Berlin, damals im Yaam. Heute trittst du im Matrix auf, einem größeren Club mit völlig anderem Publikum. Was sind deine Erwartungen?
 
Ich habe keine Erwartungen. Ich erwarte nichts Gutes und nichts Schlechtes. Aber ich bin auf alles vorbereitet und ich weiß, dass ich aus jeder Situation das Beste machen kann.
 
Gibt es etwas an Berlin, dass dir besonders gefällt?
 
Ich mag die Berliner Mauer, ich werde versuchen mir ein Stück davon mitzunehmen. (lacht)
Nein Quatsch, ich muss gestehen, dass ich noch nicht viel Zeit in der Stadt hatte, daher habe ich nicht viel gesehen. Auf einer Tour ist das immer so. Man jettet von Stadt zu Stadt, sieht den Club und das Hotel, aber für mehr reicht die Zeit in der Regel nicht.
 
Vor ca. elf Jahren hast du mit einigen Freunden Daseca Productions gegründet. Erzähl mir darüber.
 
Craig und David, meine Partner bei Daseca, habe ich in der Grundschule kennen gelernt. Nach der Schule hatten wir uns eine Weile aus den Augen verloren. Jeder hat eine Zeit lang sein eigenes Ding gemacht bis sich unsere Wege 1998 wieder kreuzten. Sie haben mein Talent gesehen und sich mir angeschlossen. Damals habe ich zwar schon Klavier gespielt, war aber sonst noch nicht weiter in Musikgeschäft aktiv. Ich habe die Musik geliebt und ich wusste, dass es das ist was ich mein Leben lang machen will, aber die endgültige Entscheidung ist erst 2000 gefallen. In dem Jahr war ich für zwei Monate auf dem College. Ich habe im Klassenzimmer gesessen, aber anstatt dem Unterricht zu folgen, habe ich Beats in meinem Kopf entwickelt. Da war klar, dass ein Studium für mich keinen Sinn machen würde. So habe ich angefangen mich mit der Musikproduktion zu beschäftigen. Ich bin kein geborener Sänger. Ich habe erst 2007 damit angefangen. Aber ich war von Anfang an mit vollem Herzen dabei und habe schnell alles gelernt, was ich wissen muss.
 
Was hat dich am Ende dazu bewegt nicht nur anderen Artists aufzunehmen, sondern auch eigene Songs zu produzieren?
 
Der Grund war, dass ich mit dem Produzieren anderer Künstler kaum Geld verdient habe. Viele der Künstlern denen ich zum Erfolg verholfen habe, machten mit ihren Songs viel Geld. Doch für mich ist dabei nicht viel rumgekommen. Das fand ich nicht fair und so habe ich beschlossen mein eigenes Ding zu machen. Als Artist bekommt man auch wesentlich mehr Aufmerksamkeit, was letztendlich dem ganzen Daseca Team zu Gute kam.
 
Du hast mit Künstlern wie Mavado zusammen gearbeitet....
 
Ich habe nicht mit ihm zusammen gearbeitet. Ich habe ihn zu dem gemacht, was er ist!
 
Alles klar. Die meisten Sänger, die bei Daseca Tunes aufnehmen, sind hardcore Dancehall-Artists. Du hingegen machst viele Crossovers mit R&B, Pop etc. wie kommt das?
 
Dadurch dass ich meine Beats aus Elementen verschiedener Musikrichtungen zusammensetzte, habe ich einfach mehr Möglichkeiten. Ich kann verschiedene Styles ausprobieren und damit ein größeres Publikum erreichen. Ich mach nicht nur für Jamaika Musik, sondern für die ganze Welt. Natürlich finden meine Songs trotzdem in Jamaika Beachtung. Es ist mir wichtig Songs zu machen, die sich vom hardcore Dancehall unterscheiden, denn nur so kann ich mich von anderen Artists abheben.
 
Wie würdest du dein Publikum beschreiben?
 
Ich habe ein sehr vielfältiges Publikum. Ich spiele vor eingefleischten Dancehall-Fans, aber auch vor Mainsteam-Publikum, das nicht viel Ahnung von jamaikanischer Musik hat. In dem Fall muss ich mehr mit den Leuten reden und ihnen meine Songs erklären. Wie „Skip To Ma Lou“ zum Beispiel. In den Song geht es um einen Tanz, den auf Jamaika fast jeder kennt, doch das wissen außerhalb der Dancehall-Szene nur wenige. So oder so weiß ich wie ich mit den Leuten umzugehen habe, deswegen liefere jedes Mal eine gute Show.
 
Würdest du trotzdem sagen, dass du jamaikanische Musik verkörpers?
 
Ja, natürlich. Mein bekanntester Crossover Song ist „No Games“. Ihm liegt ein typischer Dancehall-Beat zugrunde. Die Bassline und das Piano verleihen den ganzen etwas Melodisches. Dadurch kliengt er auch für Leute ansprechend, die sonst kaum Dancehall hören. Ich probiere verschiedene Stylez aus und bleibe trotzdem meinen kulturellen Wurzeln treu. Ich habe nie vergessen, wo ich herkomme, doch in der heutigen globalisierten Welt ist man mit verschiedensten Einflüssen konfrontiert. Warum soll ich sie nicht in meine Musik einfließen lassen, um etwas neues zu schaffen?
 
Als Produzent und Artist hast du eine weiten Überblick über das Musikbusiness gekommen. Was sind deiner Meinung nach die größten Veränderungen der letzten zehn Jahre?
 
In den letzten paar Jahren sind Dancehall-Beats immer mehr zu Hip Hop-Beat geworden. Das war denke ich die gravierendste Veränderungen. Durch den Einfluss aus den USA hat sich die Musik verändert. Viele junge Artists haben sich an Hip Hop bzw. R&B Stars aus den Staaten orientiert, weil diese so erfolgreich waren. Erst seit letztem Jahr findet man in den Riddim wieder mehr Elemente aus dem ursprünglichen Dancehall. Was der Grund für diese Entwicklung ist, lässt sich jedoch schwer sagen. Ich liebe den original Dancehall-Sound, deswegen gefällt mir diese Entwicklung. Und schließlich ist es das, was unsere Fans von uns hören wollen.
 
Wirst du auch in Zukunft weiter Musik produzieren oder willst du deinen Fokus eher auf eine Karriere als Artist legen?
 
Ich habe nie aufgehört zu produzieren und ich habe es auch nicht vor. Ich habe die meisten meiner Hits selbst produziert. Ich habe allerdings eine Weile aufgehört, Songs von anderen Künstlern aufzunehmen. Erst vor kurzem habe ich wieder damit angefangen. Ich werde weiterhin beides machen, da ich keinen Beat produzieren kann ohne auch selbst darauf einen Tune zu singen. Ich habe keine 'freien' Beats rumliegen, die ich einfach so weggeben kann. (lacht)
 
Interview Janika 29.2.2012 im Matrix Berlin

 

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