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Mono & Nikitaman Interview 2012

23.10.2012

 

Vor einiger Zeit trafen wir Mono & Nikitaman im Yaam, um ein wenig über Berlin, die dazu gehörige Gentrifizierung, über Homophobie und über aktuelle Projekte zu sprechen. Das ausführliche Interview könnt Ihr hier lesen.

 

 

Hi ihr zwei, es ist ja schon etwas länger her als wir uns das letzte Mal gesehen haben. Damals wart ihr im So36 im Rahmen eurer Tour. Wie war noch der Rest der Tour, seid ihr zufrieden?
 
Oha, das ist schon so lange her, warte mal,… das letzte Mal haben wir uns im Dezember gesehen, kurz vor Weihnachten?! Ja stimmt, es war kurz vor Weihnachten und die Tour war super! Wir waren noch sehr viel unterwegs und es war eigentlich total geil. Wir hatten die Tour dieses mal so aufgeteilt, das wir uns zwischendurch immer mal ein bisschen ausruhen konnten und es hat sich dadurch dann über 2,5 Monate hingezogen, was am Ende dann doch anstrengend war. Man will es fast nicht glauben. Und der krönende Abschluss beziehungsweise eines der Highlights war dann auch das Konzert in Wien mit einer ausverkauften Arena. Wir haben es endlich geschafft, das Live-Album aufzunehmen. Endlich endlich endlich!
 
Dazu wird es dann ja sicherlich auch eine Tour geben?!
 
Ja, das gute Stück wird Oktober 2012 erscheinen und im Rahmen dessen wird es auch eine Tour geben. Wir feiern nämlich 10 Jahre M&N. (Mono) „Ob das ein Grund zum Feiern ist?“. (Nick) „JA!“.
 
Wisst ihr schon wo ihr das überall feiert?
 
Also, wir haben eine ganze Tour gebucht, die halt Ende Oktober von statten geht. Wir spielen eigentlich in so ziemlich allen Städten. Also quasi in allen Städten der Welt (alle lachen).
 
OK, das klingt jedenfalls schon sehr vielversprechend. Ihr unterstützt heute auch eine „Make Some Noise“ Veranstaltung. Wie nehmt ihr die Problematik Homophobie im Reggae zurzeit wahr?
 
Nikitaman:
Weltweit kann ich dazu gerade gar nicht so viel sagen und auf den Festivals, auf denen wir die letzten Jahre gespielt haben, oder auf den Partys, auf denen wir sind, ist es für mich kaum merkbar. Aber ich finde es einfach ein wichtiges Thema und es ist auch wichtig, dass von Künstlerseite aus mal ein Statement gegeben wird und das Leute sagen „Hey, das ist wichtig. Achtet mal auf die Texte“. Ich meine, wenn wir Musik machen, dann machen wir uns sehr viele Gedanken zu den Texten und es soll ja auch gehört werden. Und so ist es ja bei anderen Künstlern auch. Hört doch mal, was die da singen und überlegt euch, ob ihr auch dazu tanzen würdet, wenn ja dann, mein Gott, machts halt und wenn nicht, dann überlegt euch doch, was es für Alternativen gibt.
 
Mono:
Für mich ist es auch nicht so das Grundthema, also so grundsätzlich, weil es für mich das normalste der Welt ist, dass man den Liebt, den man lieben will. Ich denke auch nicht über Zähneputzen nach, aber ich finde, dass es ganz Wichtig ist, das es ein Thema ist und das es Leute gibt, die dieses immer wieder aufgreifen. Weil diese Menschen eben noch nicht überall in Freiheit leben können. Und selbst in Deutschland in den hintersten Kaffs, und nicht mal da, ich bin mir sicher das es auch in Großstädten ganz viele Leute gibt, die noch nicht so denken.
 
Nikitaman:
Ich glaube nicht, dass es jetzt große Diskriminierungen auf Reggaepartys gibt. Ich glaube, wenn Schwule und Lesben vor Ort wären, wäre es auch kein Problem, aber ich finde es schon wichtig, dass wir als Künstler ganz klar sagen, dass wir absolut gegen Homophobie und Sexismus sind. Und nicht, das das Leute verwechselen und die Leute denken, dass wir homophob sind oder das supporten, weil wir auch Dancehall machen.
 
Das ist aber ja oftmals der Fall, die Leute sind beim Thema Reggae schon teilweise voreingenommen…
 
Das hat die Musik sich aber auch selbst angetan, beziehungsweise die Artists. Wenn man Ausgrenzung promotet, dann gibt es halt auch Ausgrenzung. Da habe ich auch kein Mitleid für.
Ich weiß, was du meinst und gerade deshalb habe ich auch Mal Eleve (einer der Initiatoren von Make Some Noise) gefragt, ob er auch Schwulen- und Lesbenverbände zu dieser Veranstaltung heute eingeladen hat. Die sind halt heute nicht eingeladen worden. Das hätte ich zum Beispiel ganz lustig gefunden, wenn man diese Leute hierhin einlädt und Ihnen sagt, hey guck mal, wir machen Reggae/ Dancehall gegen Homophobie, kommt vorbei und feiert doch mal richtig!
 
Ihr wart ja früher beide Mitglieder in unterschiedlichen Soundsystemen, habt ihr euch damals schon mit dieser Materie auseinander gesetzt?
 
Mono:
Ich habe von Anfang an lange Diskussionen geführt und wir sind beide 2000 vor General Levy´s Konzert gestanden und haben ihn gebottlet. Also ich habe nicht mit Flaschen geschmissen, das war eher er…
 
Nick:
nein nein nein, Moooooment, keine Gewalt. Ich bin gegen Gewalt aber wir haben,….ja ich weiß nicht. Wir haben das Konzert unterbrochen (Alle lachen). Sagen wir mal so ;) Aber es ist schon so, dass man sehr sensibel gegenüber diesem Thema sein soll. Natürlich müsste ich lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nie zu Songs getanzt habe, die homophobe Lyrics haben. Sei es aus Unwissen oder einfach darum, weil der Sound zu der Zeit einfach so extrem geil war. Ich habe mich aber irgendwann sensibilisiert und gemerkt irgendwie, dass die Texte schon sehr wichtig sind und Leute, die keine Meinung haben, aber immer wieder Texte und Inhalte hören, schon irgendwie diese Meinung annehmen und sich damit identifizieren. Darum haben wir uns halt auch immer viele Gedanken darüber gemacht, was wir sagen, und was wir singen, und das wir uns in einem Umfeld bewegen, hinter dem wir stehen können, und das wir nur mit Leuten zusammen spielen hinter dessen Aussage wir stehen können. Ich möchte nur Leute auf meinem Album haben, mit denen ich auch Meinungen teile. Und das ist etwas, worauf man halt sehr stark achtet.
 
Mono:
Wir sind beide links sozialisiert worden. Gerade in meinem Studium, war ein ganz wichtiges Thema, das man alle Menschen respektiert und für mich wäre es ein No Go gewesen, wenn ich nicht dahinter hätte stehen können. Aber ich habe ja meinen Weg gefunden, wie ich dahinter stehen kann, und die Musik mich voll gekickt hat.
 
Nick:
Für mich exisitiert dieses Thema halt auch nicht, ich bin als Kind in besetzten Häusern groß geworden und wir haben auf einer besetzten Straße gewohnt. Da gab es ein Schwulenhaus, ein Lesbenhaus und da gabs alles. Von Punks angefangen quer durch die Bank und das ist für mich einfach normal. Das gehört für mich zum normalen Leben und ich wäre nie auf die Idee gekommen Menschen zu diskriminieren. Jeder ist so wie er ist.
 
Ihr spielt morgen auch auf der Barrio Antifascista Bühne in Kreuzberg. Wie wichtig ist euch dieses soziale Engagement und das ihr mit eurer Musik auch einen gewissen antifaschistischen Grundkodex vermittelt?
 
Nick:
Antifaschistisch ist uns auf jeden Fall sehr wichtig! Uns geht es darum, einen Platz zu schaffen, für Ideen und Meinungen. Und ich denke, dass ganz viele von uns, wenn nicht sogar alle, nicht genau wissen, was das richtige ist oder was der richtige Weg ist, aber so ziemlich alle benennen können, was gerade Falsch läuft. Und es ist wichtig, das zu sagen, auch wenn man nicht unbedingt eine Lösung parat hat. Es ist wichtig, das zu sagen, wobei es für uns auch sehr wichtig ist zu sagen, das wir nicht bei der Antifa sind. Ich bin nicht bei der Antifa, aber wenn ich mir sage Wow, da wird gerade mobilisiert gegen eine große Nazidemo, dann sage ich doch „Na klar, kommt mit auf die Bühne und ich gebe denen Platz!“ Das ist super und das unterstützen wir. Ich finde nicht alles super und nicht alle Ideen gut. Und wer die Antifa kennt, der weiß auch das die Mitglieder der Antifa auch Ihre Ideen gegenseitig nicht alle gut finden und unterstützen. Es geht aber darum Grundideen und kritischen Gedanken Platz zu geben.
 
Mono:
Ich finde es auch ganz schön Denkanstöße zu geben und es ist auch ganz gut, wenn man nicht immer die Antworten parat hat, sondern einfach Fragen stellt. Und gerade wenn man auf einem Reggaefestival den Leuten zeigt, dass man durchaus auch politisch sein kann, finde ich das ganz wichtig.
 
Gibt es Initiativen oder Projekte, in denen ihr selbst aktiv seid?
 
Mono:
Nein, mich haben so große Gruppierungen immer eher abgeschreckt. Ich war immer lieber alleine. Also man muss dann immer hinter allem stehen und ich fand es nie so sympathisch zu so etwas dazu zu gehören.
 
Nick:
Ich bin jetzt auch in keinem Aktionsbündnis tätig oder anderweitig aktiv. Das einzige Projekt beziehungsweise Aktionsbündnis dem wir angehören ist M&N ;)
 
Und mit diesem „Aktionsbündnis“ seid ihr mittlerweile seit 10 Jahren unterwegs, herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle! Ihr seid damals auch gemeinsam nach Berlin gezogen und verbringt ja auch enorm viel Zeit miteinander. Gibt es eigentlich auch Momente in denen Ihr aufeinander nicht so richtig klarkommt?
 
Mono:
Wir haben uns beide sehr gute Nischen gesucht, wo jeder für sich alleine arbeiten kann. Also wir arbeiten nicht beide gleichzeitig am gleichen. Deshalb kommen wir uns vielleicht auch weniger in die Quere. Und dazu haben wir vielleicht auch den Vorteil, dass ich eine Frau bin und Nick ein Mann. Das bedeutet, dass wir nicht so diesen Konkurenzbattle haben, wie ihn vielleicht zwei Frauen oder zwei Männer haben. Eigentlich läuft es sehr gut, und wenn es mal nicht läuft, dann muss man halt mal ein bisschen auseinander gehen. Aber eigentlich finde ich es sehr entspannt.
 
Nick:
Mit Sicherheit gibt es hier und da mal Spannungen oder Diskussionsbedarf, aber es macht mir immer sehr viel Spaß und hat mich in meinem Leben enorm weiter gebracht. Jeder hat, glaub ich, mal Zeiten wo er alleine sein muss und sich nur auf sich selbst konzentriert, aber das Gemeinsame ist schon sehr wichtig bei uns und das würde ich auch direkt Unterschreiben.
 
Wie seht ihr denn Berlin und was der Grund hierher zu ziehen?
 
Hmmm, eigentlich die neutrale Stadt. Was ich an Berlin total toll finde, das die Stadt noch so viel Freiraum lässt und so viele Möglichkeiten für Interpretation bietet. Die ganze Stadt ist eine große Skizze für mich und die ist so herrlich unfertig. Was mir so gut gefällt. So Stadtteile die dann plötzlich fertig werden mag ich dann auch gar nicht mehr so gerne. Und ich finde es wird Platz für alle gelassen. Es ist eine sehr tolerante Stadt. Man sagt sich gegenseitig was einem nicht gefällt. Ranzt sich auch mal an wen man möchte und das finde ich auch ganz gut.
 
Nick:
Ich wünschte manchmal es wäre anders, aber es ist die geilste Stadt der Welt.
 
Mono:
Warum wünscht du dir es wäre anders?
Das geht dich doch nichts an! (Gelächter). Weil die Düsseldorfer dann traurig wären ;)
 
Was unterscheidet Berlin denn von Linz und Düsseldorf?
 
Linz ist sehr reich und fertig. Und da gibt es keine Interpretationsmöglichkeiten mehr und die Menschen haben ihre Ziele dann ein bisschen aus den Augen verloren. Da geht es dann plötzlich um so komische Ziele wie der Swimmingpool vorm Haus oder das große Carport.
Also ich finde in Berlin sind es die Clubs, und Bars, und Cafes aber für mich sind es die Menschen. Es gibt hier so eine gewisse rohe Herzlichkeit hier, die ich für mich auch mit Zuhause verbinde. Und sei es ein bisschen Assi, unfreundlich,…ich finde es einfach voll herrlich. Das freut mich immer wieder hier! Darum ist es die geilste Stadt!
 
Empfindet ihr denn schon eine Art Heimweh?
 
Ja total, ich bin heute erst gefragt worden, ob ich wieder zurück nach Österreich will und nein, ich habe keine Lust darüber nach zu denken und es fühlt sich auch nicht so an.
 
Ok Super, vielen Dank für das Interview!
 
Wer nun Lust auf mehr Mono & Nikitaman bekommen hat, der findet auf
www.mono-nikitaman.de mehr Informationen über ihr aktuelles Livealbum sowie die Tourdaten der aktuellen Tour!
 
Interview by Marcus
 

 

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