Reggae in Berlin
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Gentleman Interview

31.03.2010

Am 9. April ist es soweit. Das fünfte Studio Album von Gentleman "Diversity" wird dann in den Plattenläden zum Kauf bereit stehen. Im Rahmen seiner Ende April startenden Diversity-Tour wird Gentleman am 29.5. in der Columbiahalle zusehen und hören sein.
Derweil befand sich Gentleman für ein kleines von Arte organisiertes Akustik Konzert am 30.3. in Berlin. Bevor er am Abend zwei seiner neuen Songs "it no pretty" und "fast forward" dem Publikum kredenzte, entstand in gemütlicher Runde dieses Interview. Viel Spaß...

 

RIB: Hi Gentleman, wie geht es dir?
 
Gentleman: Mir gehts gut.
 
RIB: Du performst ja heute Abend in der Maria. Wie sind denn deine Erwartungen bezüglich in Berlin zu spielen, speziell im Rahmen eines Club-Gigs?
 
Gentleman: Wir spielen zwei Songs akustisch im Rahmen der Arte Lounge. Das ist ja nicht wirklich ein Konzert, deswegen habe ich jetzt nicht so super Erwartungen. Wir sind so ungefähr sechs Minuten auf der Bühne. Frag mich lieber nach der Columbiahalle am 29.5. Nichts desto trotz versuch ich immer die Erwartung so gering wie möglich zu halten. Ich versuch im Moment zu
bleiben. Für mich ist jetzt gerade spannend die neuen Songs zu performen. Lange, dass ich die gleichen Songs gespielt habe. Und irgendwann wird es schwierig, jetzt gibt es ein neues Album mit neuen Songs und die stehen jetzt im Fokus.
 
RIB: Können wir da heute Abend etwas von hören?
 
Gentleman: Ja, zwei Songs in Akustik. So mit Klampfe und bisschen Bongos dabei.
 
RIB: Spielst du die Gitarre?
 
Gentleman: Nein.
 
RIB: Kannst du Gitarre spielen?
 
Gentleman: Ich kann ein paar Akkorde spielen und dazu singen, aber dann vergreif ich mich. Bei mir ist es so wie beim Fußball spielen. Montag spiel super und Dienstag Scheiße. Irgendwie geht da manchmal garnichts. Ich hab da noch nicht so die Konstanz.
 
RIB: Yo, dein Album "Diversity" kommt ja am 9. April raus. Als ich mir die Tracklist und das Snippet reingezogen habe, ist mir aufgefallen, dass du ziemlich viele Kollaboration mit dabei hast. Daddy Rings, Luciano, Tony Rebel, Cassandra Steen, sowie Rebellion. Das hört sich musikalisch sehr umfangreich an. Du hast Dancehalltunes, aber auch den von Gentleman gewohnten Style. Um was ging es dir bei diesem Album?
 
Gentleman: Um Diversity, also um die Vielfalt. Ich hab mal diese "entweder...oder" Denken abgelegt, was ich oft hatte, wenn ich ein Album gemacht habe. Entweder ein Album muss handgemacht eingespielt sein oder elektronisch. Dancehall oder Roots, entweder es geht nach vorne und pumpt oder es laid back und chillig. Und dieses Denken hab ich dann mal abgelegt. Während der Album Produktion hatte ich weder ein Veröffentlichungsdatum im Kopf, noch gab es bis dato keine Plattenfirma, die kam dann später dazu. Sondern ich bin in Jamaica gewesen und hab mit einer gewissen Leichtigkeit einfach mal so gemacht und geguckt was so da ist und auf was ich so Bock hab. Und war auch von mir selbst überrascht, dass da Songs herauskommen sind mit denen du mich vor zwei Jahren hättest jagen können. So´n Instrumental wie "To di top" was so in einer Großraumdisco sogar geht. Aber eben trotzdem Soul hat. Ich bin bestimmt kein Fan von Auto-Tune, aber dann mal hier und da mal ´ne Priese davon einzusetzen fand ich ganz spannend. Und diese Denken abgelegt zu haben, kein Veröffentlichungsdatum und wirklich auch mit den richtigen Leuten, mit Corleone sehr intensiv zusammengearbeitet zu haben, dass wir morgens bis abends und manchmal auch nachts bei ihm im Studio waren, und da einfach innerhalb von zwei Monaten ganz viele Songs entstanden sind, die eben alle total verschieden waren. Ich hab mir dann mal die Songs alle angehört und mir gesagt, jetzt stell ich mal ein Album zusammen und hab mich dabei als roten Pfaden gesehen, und eben nicht das musikalische. Ich konnte die Songs auch hintereinander hören, ohne dass ich mich irgendwie rausgerissen hätte. Ich hab früher immer gedacht, wenn ich zwei Roots Songs höre, und dann kommt ein Dancehall Song dann bin ich in einer anderen Stimmung und das geht nicht. Aber es hat funktioniert und auch den Leuten, denen ich es vorgespielt habe, die fanden es auch cool, und da war auch der Name "Diversity" Programm.
 
RIB: Wie kommt es, dass du kein Titeltrack hast?
 
Gentleman: Hatte ich ja selten, ist irgendwie auch so Tradition. Außer bei "Trodin´ on", dem ersten Album. Aber bei "Journey to Jah" gab es keinen Titeltrack, "Confidence" und "Another Intensity" auch nicht.
 
RIB: Ja, stimmt. Ich hab grad nicht nachgedacht.
 
 
Gentleman: Na ja, ist ja trotzdem eine berechtigte Frage, selbst wenn du nachgedacht hättest.
 
RIB: Ich habe gerade schon einmal die Features angesprochen. Ich bin ja ein insgeheimer Fan von Cassandra Steen, ich find die cool...
 
Gentleman: Insgeheim.. ist ja geil....
 
RIB: Ja, ich habe zwar keinen einzigen Song von ihr, finde aber, dass sie eine ausgesprochen schöne Stimme hat. Wie kam es denn im besonderen zu dieser Kollaboration?
 
Gentleman: Ich habe sie das erste Mal gesehen, da war sie sechzehn, zu Freundeskreis Zeiten.
 
RIB: Telefonterror...
 
Gentleman: Ja genau. Ich habe so ihre Entwicklung mitgekriegt und finde einfach, dass sie eine unfassbare Stimme hat. Wir sind bei der selben Plattenfirma. Na ja, der Track war eigentlich fertig geschrieben, aber irgendwie fehlte was, und ich habe nach einer weiblichen Stimme gesucht. Zu der Zeit war ich dann auch in Deutschland und habe dann einen Song von ihr gehört. Und da war klar: "Ok, Cassandra wäre ja cool." Wir haben sie angefragt, sie hatte Bock drauf irgendwie und dann haben wir das Ding eingelocht.
 
RIB: Singt sie englisch oder deutsch?
 
Gentleman: Sie singt englisch. Das haben wir vorausgesetzt. Entweder russisch oder englisch
 
RIB: Aha.... Du bist ja schon lange am Start. Wenn man 1999 "Trodin´on" als Start nimmt, auch wenn du 1994 schon die ersten Sachen am Start hattest, oder?
 
Gentleman: Ich hab letztens einen Flyer gesehen von meinem ersten Konzert Im Basement in Köln, und das war im Februar 1992. Da sahen wir wirklich noch so Boobymäßig aus. Nichts desto trotz nehmen wir mal "Trodin´on" 1999, das sind jetzt 11 Jahre.
 
RIB: Du hast fünf Alben bis jetzt produziert, alle fett. Du hast ein paar Auszeichnungen erhalten. Echo hier, Echo da, Platin-
Schallplatte. Wie siehst du denn die Entwicklung von Reggae mit Fokus auf deutsche Künstler?
 
Gentleman: Meinst du deutschsprachige Künstler?
 
RIB: Na ja, Künstler aus dem deutschsprachigen Raum...
 
Gentleman: Ich glaube, dass das Ausnahmen sind. Patrice, Seeed, Gentleman, die mit ihrem Erfolg sicherlich eine Ausnahme darstellen. Ich würd mir halt wünschen, hier ein Radio anzustellen und einen Luciano zu hören, und das ist halt nicht so. Ich höre Pop und Rock und Hip Hop, R´n`B, aber Reggae ist nach wie vor im Untergrund. Und das enttäuscht irgendwie. Ich hatte so vor ungefähr fünf Jahren so ein Gefühl, dass ich dachte: Vielleicht geht es jetzt mal Mainstream, ohne dass es kommerziell wird. Das ist ´ne Mucke, die jedem irgendwie gut tut, aber das ist bis heute nicht
passiert. Und dann gibt es dann immer wieder so ein paar Ausnahmen. Sean Paul Hype, aber das ist dann auch nur ein einzelner Künstler. Oder mein Album "Confidence" auf Platz 1 vor Anastacia eingestiegen. Das war dann irgendwie hääh. Das war reiner Roots Reggae. Gut, danach gab es dann
wieder eine Gesund-Schrumpfung. Vielleicht wird es dann auch wieder so wie es mal war, nur noch in kleinen Clubs zu spielen. Das ist auch ok und fühlt sich ganz sexy an. Aber die Musik an sich hat jetzt nicht so den großen Sprung gemacht. Auch gerade wenn ich mit Promotern spreche, die dann
fast depressiv werden, weil sie nicht mehr einschätzen können.Selbst bei großen Künstlern wie Capleton oder Luciano, die spielen dann in Berlin und man denkt es kommen 200 Leute. Das ist dann, wo ich denke "Ok". Na ja, diesen Quantensprung, diese Entwicklung hat es da nicht gegeben.
 
RIB: Ja genau. Da gehst du zu einem Konzert und denkst dir, das wird heute gerappelt voll, aber dann ist es äußerst überschaubar.
 
Gentleman: Aber dann gibt es auch immer wieder so Überraschungen, wo du dir denkst, warum ist denn das so gerappelt voll.
 
RIB: Gentleman, ich hab jetzt noch ´ne kleine Anekdote. Und zwar sitze ich 2004 in Costa Rica im Bus, hab ein kleines Radio dabei, mach es an. Kommt "Runaway". Wenn dir jemand so 2000 gesagt hätte: "Gentleman, da kommt einiges auf dich zu." Was hättest du zu ihm gesagt?
 
Gentleman: Ich weiß nicht. Ich kann nicht in die Zukunft gucken, und will das auch garnicht. Weil morgen wird immer morgen bleiben, da vergisst man nur das jetzt. Auch wenn mir jetzt jemand sagt: "In fünf Jahren...." Da kann ich nichts mit anfangen. Ich verdränge dann den Gedanken beziehungsweise führe ihn nicht weiter. Wobei ich schon irgendwie daran geglaubt habe, dass es eine Musik ist, die außerhalb von Deutschland, Schweiz, Österreich funktionieren kann. Gerade Costa Rica, so Orte in denen die Leute auf Roots stehen. In Costa Rica kenne die Lutan Fyah aber nicht Mavado. Oder Sri Lanka, da lief "Dem Gone", das ist dort voll der Hit gewesen. Und das
zeigt, dass es eine Musik ist, die viele Leute anspricht, auch außerhalb unserer Breitengrade. Zurück auf die Frage. Ich weiß es nicht, was ich sagen würde.
 
RIB: Ich habe dich das erste Mal live gesehen, das war 2000 auch in der Maria. Das war vor Buccaneer, Sean Paul und Red Rat. Wie hat sich das für dich entwickelt, seit damals, als du Support-Act warst bis heute.
 
Gentleman: Ich rauche ja kein Gras mehr, aber damals war mir das echt eine Lehre, dass ich nie wieder von irgend einem Fremden Gras hole, weil ich damals dann ´ne Flasche auf den Kopf bekommen habe, weißt du das noch?
 
RIB: Ja.
 
Gentleman: Wie sich das entwickelt hat? Red Rat oder Sean Paul? Na ja, das sind immer so Phasen und vor allem kommt das immer auf das Land drauf an. Wenn wir jetzt in New York spielen würden, dann wäre das so wie früher in der Maria. Da würde ich auch heute noch vor Red Rat spielen. In New York bin ich noch nicht so am Start. Wenn wir in Köln spielen, dann wäre es anders herum. Und irgendwo anders wäre es dann ausgeglichen. Der eine Künstler hat gerade ein Hoch, der andere Künstler irgendwie ein Tief. Aber ich denke, dass darf nicht wichtig sein. Sondern was wichtig ist, dass du mit dir im Einklang bist. Und immer ´ne Leidenschaft für die Mucke hast, die du machst. Und auch immer einen gewissen Hunger hast, das ist das was zählt. Und nicht wie erfolgreich man ist, denn Erfolg ist ja auch was relatives.
 
RIB: Meine letzte Frage bezieht sich auf das Sizzla Konzert in Berlin, was ja ausgefallen wurde, um es mal so auszudrücken. In Wuppertal hat es dann stattgefunden und du bist dann spontan dazu gekommen. Wie ist es dazu gekommen?
 
Gentleman: Er hat mich angerufen und gesagt: "Ich bin bei dir in der Nähe, hast du heute Abend Zeit...komm doch vorbei". Ich bin vorbeigekommen und es war sehr geil. Es gab keine homophoben Texte auf dem Konzert und die Leute hatten alle eine super Zeit. Obwohl wir alle irgendwie Angst vor der Buttersäure hatten.
 
RIB: War das an dem Tag mit der Buttersäure?
 
Gentleman: Das ist ja dauernd. In Zürich in der Roten Fabrik, es war in Berlin, in Hamburg. Es war in ganz vielen Orten, wo Sizzla gespielt hat. Gewisse "Political Correctness Aktivisten" die auch in den Vatikan gehen würden und sagen würden, "stell doch mal einen Kondomautomaten hier hin". Oder im Iran und "warum tragt ihr denn hier Kopftücher?" oder "wie kann man denn gegen Homosexualität sein". Ich distanziere mich ganz klar davon, aber wir reden hier von zwei verschiedenen Kulturen.
 
 
 
 
RIB: Gentleman, Vielen Dank, dass du dir für uns die Zeit genommen hast

 

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