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Bitty McLean-Interview 2007

18.02.2008

Bitty McLean - the sweetest voice outta the UK besucht unsere Haupstadt. Nach einem großartigem Konzert am 14. Dezember treffen wir einen gut aufgelegten, freundlichen und gesprächigen Bitty McLean in den Backstageräumen des Yaams.

 




Coco:
Bitty, vielen Dank erst einmal für das fantastische Konzert. Wenn man sich in der Massive ein wenig umschaute, hatte man sofort das Gefühl, das heut abend ein ganz anderer Vibe da war als bei normalen Dances…Liebe lag in der Luft Wie hat dir die Show gefallen?

Bitty:
Vielen vielen Dank. Es ist jetzt das dritte Mal für mich in Berlin…beim ersten Mal war ich im Cafe Moskau auch mit Barney, der bis jetzt immer für mich selected hat. Damals sangen die Leute vor allem die Big Tunes mit wie „Walk away from Love“ oder „Cruising“ und jetzt nach einiger Zeit singen sie auch die anderen: „Only you…“. Es ist sehr ermutigend zu hören, das die Leute nicht nur eine hookline oder den Chorus deiner Lieder kennen…in Italien zum Beispiel, wo (no disrespect!) kein so gutes Englisch gesprochen wird, singen die Leute trotzdem die kompletten Lieder mit und das ist sehr ermutigend für mich.


Coco:
Ich habe dich heute, nach dem Auftritt im Cafe Moskau das zweite Mal gesehen und ich war überrascht dich wie ein Veteran DJ toasten zu hören. Wie kommts?

Bitty:
Ich bin natürlich kein DJ, aber ich liebe nun mal diesen authentischen vintage vibe das war nun mal mein Kindheitssoundtrack und als Kind Jamaikanischer Eltern ,geboren in England, wurde bei uns zu Haus eben Reggae gehört, was nicht unbedingt selbstverständlich war. Jamaikanische Einwandererkinder hörten keinen Reggae, Reggae wurde verbannt. Man hörte Gospel. Reggae war Teufelsmusik. Insofern bin ich sehr dankbar, dass bei uns daheim Tag und Nacht Reggae lief und ich erinnere mich ,wie ich als 7-8 jähriger vor der Anlage saß und ich immer und immer wieder „Rocksteady“ von Alton Ellis auflegte….(herzliches Lachen) verstehst du, was ich meine - ich hörte keinen Gospel, ich hörte eben Musik von Burning Spear, Culture , U-Roy…

Coco:
…(scherzend) also können wir nach dem Singersalbum kein Rub A Dub-DJ Album von Bitty erwarten?

Bitty:
Nein (lacht), ich bin natürlich kein DJ. Bei einer Live-Performance wäre es nur vielleicht etwas langweilig, wenn ich jedes Lied einfach nur vom Anfang bis Ende singen würde und dann weiter zum nächsten Lied ginge…next tune Barney, next tune Barney…das ist meine Sache nicht. Wie ich schon sagte, ich wuchs mit Soundsystemkultur auf d.h. es gibt den operator, den selector und den DJ und jeder hat seine Aufgaben zu erledigen um eine aufregende Show zu geben und nichts anderes möchte ich bei meinen Auftritten…


Coco:
… die Show ein wenig würzen…

Bitty:
Exakt.


Coco:
Bitty, lass uns über das Album sprechen, das Peckings vor kurzem auf den Markt brachten „Bitty McLean – Made in Jamaika“. Wie kam es dazu? Wurde es bei Peckings produziert?

Bitty:
Nein! Niemand hat je Bitty McLean produziert, ich produziere meine Platten alle selbst. Auch in der Zusammenarbeit mit Sly & Robby – sie spielen ihre Drum&Bass –aber was mich betrifft – voicing, mixing mache ich alles selbst. Das heißt, alles was du von Bitty hörst ist aufgenommen, gemixt und produziert von Bitty. Punkt.


Coco:
Und dieses letzte Album?

Bitty:
Es war nie ein Album. Es war ein reines Piraten-Ding. Nie gab es auch nur ein Konzept für ein zweites Album mit Peckings….lass mich noch mal ganz zu meinen Anfängen zurückgehen: Als ich mit 8-10Jahren auf meines Vaters Sound anfing zu singen, sang ich schon auf cleanen Studio 1 Riddims. Wie z.B. auf John Holts Album „A love I can feel“, dort waren die Riddim- und die Gesangsspur gesplittet, so dass ich darauf singen konnte. Ich will damit nur sagen, ich musste nicht erst nach West-London zu Peckings um etwas über Studio1 oder Reggae zu lernen, ich habe das alles daheim mitbekommen….also lass uns nicht mehr von Peckings reden. Das einzige Album, was bei Peckings aufgenommen und veröffentlicht wurde ist und bleibt „On Bond Street…“ alles andere ist Piraterie, es gibt leider keinen anderen Ausdruck dafür.


Coco:
Es gibt somit keine Zukunft mehr für dich und Peckings…kannst du mir etwas über den Sly&Robby Link erzählen?

Bitty:
Ja, den link gibt es seit 1995, wo ich in Jamaika mit ihnen ein Album aufnahm, was aber nie rauskam…record-politics – was soll man machen. Ich will mich jedenfalls nicht auf meinem Erfolg ausruhen und denken „..die Welt liebt mich und ich kann alles singen..“ – ich will mich selbst weiter pushen um noch besser zu werden, noch bessere Songs schreiben, ich möchte mit den Besten arbeiten und die Arbeit mit Sly&Robby ist für mich das Ultimative als Künstler denn sie sind als Musiker durch die 70er die 80er und die 90er bis heute dabei. Von Bunny Lee über Channel 1, Joe Gibbs … und heute hörst du Tunes von Tarrus Riley und es sind immer noch Sly an den Drums und Robby am Bass …so thats the best for me!! Jeder hat eine andere Meinung über dieses Thema aber eben auch die Beiden sind immer weiter gegangen und ruhen sich nicht auf ihrem Erfolg aus. Und dieses Prinzip gilt für jeden ob Kameramann, Musiker, Soundman…demnach würde es für mich auch keinen Sinn machen nach „Bond Street“ noch einmal solch ein Album aufzunehmen – auch kein Studio1-Album. Treasure Isle und Studio1 sind Parallelen, es gibt da keinen wirklichen Unterschied und somit wäre ein Studio1-Album für mich auch kein wirklicher Schritt voran. Es wäre im Prinzip das gleiche Ding „Bitty singt auf alten Riddims“ … Ich liebe Foundation und die Leute wissen das. Aber ich muss weiter neue Songs schreiben.


Coco:
…das heißt also der Braten ist schon in der Röhre?

Bitty:
…oh das Album ist schon fertig, es muss nur noch abgemischt werden.


Coco:
…demnach ist Weihnachten gerettet? (alles lacht)

Bitty:
…na ja , vielleicht im März. Möglicherweise kommt erst eine Single vorab raus.


Coco:
Ich glaub Hille wollte dich noch etwas fragen.

Hille:
…mich würde interessieren, ob du trotzdem irgendwann mal ein Studio 1 Album machen wirst?

Bitty:
Ich möchte es mal so ausdrücken: In meinem Leben möchte ich irgendwann eins machen. Aber so direkt nach „Bond Street“? … das würde keinen Sinn machen. Das nächste Album wird besser als Bond Street werden und als Künstler muss ich mich weiterentwickeln und wachsen….aber wie gesagt, ich würd’ liebend gern eins machen. Und weist du, es gibt so viele alte producer von denen ich gern sagen würde „…yes, mein Stimme ist auf nem Bunny Lee oder Harry Moodies oder Joe Gibbs Riddim. Es gibt mehr als nur eine große Ära im Reggae und jede hatte große producer. Channel 1 hatte eine große Zeit …. und ja … ich würd’s machen, keinen Zweifel. Ich würde lügen wenn ich sagte ‚nein, ich mache kein Studio 1 Album’ …


Bitty über Ribbon Mics:

 


Coco:
Wir haben vor dem Interview schon mal kurz über einen „Veteran’s Showcase“ in New York gesprochen. Das ist doch genau dein Ding ,oder?

Bitty:
Ich war ja letztes Jahr schon dabei und um ehrlich zu sein, hat mir das Ganze sehr Kopfschmerzen bereitet, denn – ich bin nach NY geflogen, es gab keine Proben, keinen Soundcheck und als ich schließlich zur Bühne kam hatte ich 15 Minuten zum performen…und ich fragte mich, was ich in nur 15 min machen soll?!? Ich ging also auf die Bühne und die Massive saß so da (verschränkt gelangweilt die Arme vor sich)! Ich weiß nicht, ob’s ein Video von der Show gibt aber ich ging von der Bühne runter in die Massive und sagte „ich bin nicht 12 Stunden geflogen, um euch jetzt so da sitzen zu sehen – get up!!!“ und nach dem ersten Schock standen sie auf und von da an konnte die Show beginnen. Auch Lloyd Parks meinte zu mir nach der Show, er könne gar nicht glauben , was ich da gerade getan hatte aber ich hätte wohl das Richtige getan. Jetzt war ein wenig Leben in der Bude und es wurde vom Ersten Gang in den Dritten geschaltet. Aber es war echt nicht einfach.


Coco:
Was hattest du denn von der Show erwartet?

Bitty:
Ich erwarte gar nichts von einer Show, denn du kannst nie wissen wie die Crowd drauf ist. Ich komme nie auf die Bühne und denke mir: this show’s gonna be wicked!! Ich kann nicht einfach auf die Bühne gehen und tun wie : hier bin ich, I’m the Star und jeder wird mich lieben.(alles lacht) so funktioniert es nicht. (wieder ernst) …Du musst Energie reinstecken um etwas zu bekommen. Ein Soundsystem kann auch nicht einfach Hits auflegen und hoffen, dass es funktionieren wird. Du musst deine Fähigkeiten kennen und sie auch einsetzen, musst an dir arbeiten.


Coco:
Letzte Frage Bitty, und das ist die 1Million Dollar Frage, die die Berliner Soundboys interessiert … (verschmitztes Lächeln bei alle Anwesenden wird zum lauten Gelächter) hey hey, ich hab noch gar nichts gesagt – ganz ruhig Freunde, ich werd mich kurz mal entspannen und darüber nachdenken, wie ich meine Frage formuliere, is ja schließlich nicht meine Muttersprache (man bemüht sich um Beruhigung)
Also Bitty, in einem wie ich fand sehr guten Interview von 2006 hast du ja schon mal alle Fragen zum Thema Dubplates beantwortet. Du unterscheidest zwischen Specials und Dubplates, (wobei Dubs nur tunes mit „name call“ und Specials eigens für den Sound geschriebene tunes sind.) und meintest, Bitty macht keine Dubs, aber Bitty macht Specials für ausgesuchte Sounds. Im Prinzip erübrigt sich jede weitere Frage zu diesem Thema. Aber hier kommt meine Frage: Weißt du wie es dazu kommen konnte, dass in Berlin Dubplate Newsletter rausgehen mit Offerten für Bitty-Dubs?

Bitty:
Ich erhielt eine Anfrage auf meiner myspace-Seite, man würde eine Session organisieren und erkundigte sich nach den Konditionen. Und ich antwortete: Meine Konditionen sind, es gibt keine Session.


Coco:
(ironisch) da hat man wohl was falsch verstanden …(und wieder wird’s laut)

Bitty:
(ernsthaft) Nun ja, viele Sounds wollen Specials und ich will noch mal auf das Prinzip zurückkommen: Jeder kann ein Dubplate machen aber wenn du ein Special hast, bedeutet dies – kein anderer Sound auf der Welt kann dieses Special spielen. Aber ich kann mich nicht hinsetzen und 100 Specials schreiben. Ich stecke dort Energie rein und will mich aber auch, wie die letzten zwei Jahre, auf mein Album konzentrieren können, dazu braucht man Disziplin. Wäre ich nur auf das Geld scharf, würde ich für jeden Specials machen, und ich würd richtig Geld verdienen. Aber das ist nun mal kein Focus in meiner Karriere, sondern vor Leuten zu spielen … in Berlin, Rom egal wo. Vor Leuten, für die „Baby Tonight“ der Soundtrack ihres Lebens ist – ihr persönliches Special. Ein Sound-Special ist „nur“ ein stripe für Soundboys (Anm: i.S. eines Rangabzeichens) , was völlig ok ist, schließlich bin ich auch mit Soundsystems groß geworden und weiß wie cool es ist, einen exklusiven tune zu haben, den kein anderer spielen kann. Ich kenne also beide Seiten. Specials sind trotzdem nicht mein Focus, sondern viel wichtiger ist es mir, gute Songs zu schreiben. Ich sage ja auch nicht, ich würde niemals Dubs oder Specials machen. Sie stehen für mich einfach nur nicht im Mittelpunkt.


Bitty über Dubplates:

 



Coco: Herzlichen Dank für das Interview Bitty.

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