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BUJU BANTON IM COLUMBIA CLUB

15.06.2009

 

Rasta Got Soul Tour 2009
07.06.2009

Buju Banton endlich wieder einmal „live on stage“ erleben zu können, erfüllte mich mit großer Vorfreude, gemischt mit etwas Angst, dass in letzter Minute doch noch etwas schief gehen könnte.

 

In schlechter Erinnerung sind mir noch die Querelen mit verschiedenen Organisationen, wie dem LSVD, was zu zahlreichen Absetzungen von Konzerten im europäischen Raum geführt hat.

Neue Freunde hat der LSVD und die Gruppe von Menschen, die von ihm vertreten werden, dadurch nicht gewonnen – ganz im Gegenteil. Wem die Homosexuellen bisher gleichgültig waren, ist nun extra aufgestachelt, weil ihm diese verschiedene Konzerte jahrelang verdorben haben.

Es wäre aber müßig noch einmal länger darauf einzugehen. Ich denke, dass dazu von allen Seiten genügend Kommentare vorliegen. Wer sich dennoch in das Thema noch einmal vertiefen will, sei u. A. auf folgende Links verwiesen:

http://www.riddim.de/new.php?id=100 oder http://www.laut.de/vorlaut/news/2004/08/24/09954/

Buju Banton, der eigentlich Mark Anthony Myrie heißt und auch Gargamel genannt wird, ist eine der gewaltigsten und unverwechselbarsten Stimmen im Reggae. Unvergesslich sind die mitreißenden Bühnenauftritte, bei der Buju kaum Ruhe findet und nahezu alles aus sich herausholt.

Gegenwärtig ist Buju wieder auf Tour in Europa um sein neues Album „Rasta Got Soul“ zu promoten.

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Zum Glück seiner Roots-Fans, bewegt sich Buju nach seinem Kurzausflug in die Dancehall, was er mit seinem 2006-er Album „Too Bad“ belegt hat, damit wieder zurück in die Roots-Reggae-Liga.

 

Im hiesigen Lande hält man sich aber offenbar weitestgehend zurück ein richtiges Tourprogramm zu organisieren und beschränkt sich auf wenige, zeitlich weit auseinander liegende Einzelauftritte, wie am 10. Juli im Münchener Backstage, am 04. Juli beim Summerjam und eben am 07. Juni im Columbia Club in Berlin. Hoch anzurechnen ist das Engagement von Fire Feste / Blazin Fire Sound (www.myspace.com/blazinfiresound), der sich trotz Allem Buju angenommen und keine Mühen und Risiken gescheut hat, den Berliner Termin zu ermöglichen.

 

Also fahren wir recht frühzeitig mit hohen Erwartungen zum Columbia Club, der sich in unmittelbarer Nähe des kürzlich still gelegten Flughafens Berlin-Tempelhof befindet (Columbia Club: www.columbiaclub.de). Wir möchten den ganzen Ablauf des Gigs inkl. Soundcheck verfolgen und schon da sein, wenn der Tourbus eintrifft. Mit etwas Überraschung stellen wir fest, dass nicht ein einziges Poster von Buju auf die heutige Veranstaltung hinweist, obwohl unendlich viel Werbung für andere Anlässe im Außenbereich von Columbia Club und Columbiahalle vorzufinden ist. Will man vielleicht nicht unnötig Aufmerksamkeit hier erregen? Wir treffen Jabbar von Fire Feste, der alle Fäden in der Hand hält und sichtlich viel zu regeln hat. Trotz Organisationsstress hat er immer noch ein Ohr frei für alle möglichen Anfragen, wird zusätzlich noch ständig per Handy angeklingelt und strahlt immer noch Ruhe und Besonnenheit aus. Die Veranstaltung dürfte also in guten Händen sein.

 

Support Act Twenty Trees aus Bayern (http://www.myspace.com/twentytrees) ist bereits dabei die Bühne einzurichten und sich mit der Technik abzustimmen. Es gibt noch viel zu tun und alle reden von Zeitverzug, obwohl es erst 16:00 Uhr ist. Die Ankunft von Bujus Tourbus soll sich zum allgemeinen Ungemach auch noch verzögern. Es ist die Rede von 18:00 Uhr oder gar später. Aber die Sorge war umsonst, denn halb 5 rollt der Bus in den Hof und das Equipment der Shiloh Band wird in den Saal getragen. Twenty Trees muss ihren Soundcheck nun unterbrechen und macht für die Shiloh Band den Weg frei. Diese proben nach der Ansicht von Twenty Trees entschieden zu lange, besonders am Schlagzeug. Man nimmt´s aber mit Humor und meint: „Wenn es bei denen richtig gut klingt, ist es bei uns dann ebenso.“

Etwas später dann öffnet sich das Tor zum Innenhof des Columbia erneut und ein nicht enden wollender grüner Fahrzeugkonvoi rollt auf das Gelände. Schon ein wenig unfassbar – 9 große Polizeitransporter versammeln sich nun im Innenhof, die schätzungsweise eine knappe Hundertschaft von Polizisten mit sich bringen. Kennzeichnend offen tragende Bewaffnung und im Innern der Transporter Schutzhelme und die volle Kampfausrüstung. Unbehagen macht sich breit. Was geht hier eigentlich ab? Eine Hundertschaft zur Überwachung eines Sängers? Insider reden sogar von zwei Hundertschaften die in Bereitschaft seien, sowie zusätzlichem Zivilpersonal auf dem Saal inklusive Dolmetscher, die Bujus Aussagen überwachen sollen. „Ein falsches Wort und der Saal wird geräumt!“, hören wir – so ist die Devise. Was denken sich die Verantwortlichen eigentlich, wie ein Reggaekonzert abläuft? Ob sich denn schon jemand die Mühe gemacht hat, sich über Bujus vorangegangene Konzerte zu informieren oder sich eines anzusehen? Die hiesigen Reggaefans dürften die friedlichsten Konzertbesucher überhaupt sein, zumindest im Vergleich zu Rock und Pop und ähnlichen Musikrichtungen. Es dürfte kein Reggaekonzert in Deutschland bekannt geworden sein, wo es zu Ausschreitungen von Fans oder Künstlern gekommen ist.

Der günstige Nebeneffekt – unser Auto im Hof ist so gut bewacht wie nie zuvor. Die Polizei kontrolliert den Club, dessen Räume und Türen. Schlösser werden geprüft. Der Sicherheitsdienst bekommt zusätzliche verschärfte Instruktionen. Trotz gültigem Backstagepass werden wir aufgefordert in den Saal zu gehen. Die Pässe werden sondiert nach Künstlern und deren Crew und den anderen Leuten. Man will offenbar keine Presseleute hier haben und das Polizeiaufgebot ein wenig verdeckt halten. Wir erledigen also noch schnell ein paar Fotos, zu denen wir uns mit den Twenty Trees bereits abgesprochen hatten, bevor sich die Tür für uns schließt.

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Inzwischen hat der Einlass für die Konzertbesucher begonnen, die mit ungewohnter Akribie gefilzt und abgetastet werden, wie man es selten sieht. Die meisten können darüber nur schmunzeln oder schütteln mit dem Kopf. Es sollte mich wundern, wenn man da außer ein wenig Gras vielleicht etwas Gefährliches gefunden haben sollte. Im Saal bauen inzwischen zwei von Bujus Leuten einen kleinen Shop auf, wo es T-Shirts und Tourposter zu kaufen geben soll. Plötzlich kommt ein Polizist im übertriebenen Sturmschritt angestürzt als sei Gefahr in Verzug, um den Stand unter die Lupe zu nehmen. Sie suchen nach Tonträgern, die das böse Lied „Boom Bye Bye“ aus dem Jahre 1992 (!) enthalten. Buju hat allerdings nicht einen einzigen Tonträger dabei und diesen schon gar nicht. Buju verzichtet sogar selbst darauf, die Alben die dieses Stück enthalten, auf seiner Website mit anzuführen. Die Annahme, er würde sie hier anbieten wollen, ist geradezu albern (siehe http://www.myspace.com/bujubanton und http://www.facebook.com/discography/?id=47901683697).

Mit solchen Aktionen erweckt man erst die Neugier von bisher Unwissenden. Der Vollständigkeit halber muss natürlich nun auch angeführt werden, dass es sich um die Alben “Various Songs“ und „Best Of The Early Years 1990-95“ handelt. Die Shopbetreuer schauen nur ungläubig und können gar nicht nachvollziehen, was man von ihnen will. Offensichtlich eine überaus abwegige Unterstellung.

Ich kann mich nicht entsinnen auf einem anderen Konzert bewaffnete Polizisten über den Saal laufen gesehen zu haben.

Zum Glück spielen inzwischen die Sounds auf und bringen uns auf andere Gedanken, bevor wir unsere Nerven noch weiter in dieser Sache aufreiben. Daddy Bantam bringt mit den richtigen Tracks die Massive in Stimmung, die schon äußerst zahlreich vertreten ist.

Mit dem anschließenden Auftritt von Twenty Trees beginnt dann das Live-Programm des Abends.

Twenty Trees, die seit ewigen Zeiten nicht mehr in Berlin waren, präsentieren dank ihrer zahlreichen Besetzung einen klasse Sound, an dem es nichts auszusetzen gibt.

 

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Beim Gesang zeigen sie sich abwechslungsreich durch den Einsatz von drei verschiedenen Sängern, die sich auch mit den Instrumenten abwechseln. Zum Leidwesen der meisten Vorbands warten aber in der Regel alle Besucher auf den Hauptact des Abends. Das ist hier natürlich nicht anders und die Rufe nach einer Zugabe vermischen sich mit den Rufen nach Buju. Die Twenty Trees sind aber trotzdem eine gute Empfehlung und dürften sich bei den Berliner Fans ins Gedächtnis gespielt haben.

Nun wird die Shiloh Band angekündigt, die sich aber kurz darauf noch einmal für 5 Minuten entschuldigt, bevor sie mit zwei Vorsängern das weitere Programm eröffnet.
 

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Einer der Beiden erinnert stimmlich schon fast ein wenig an Buju und sorgt für etwas Verwirrung als er auf die Bühne kommt. Angekündigt als „The Youth“ sorgen sie für den Dancehall-Part des Abends, bevor mit Buju gegen 23:00 Uhr endlich der absolute Höhepunkt des Abends anbricht. Die Begeisterungsstürme im Club sind nicht mehr zu bremsen. Am Rande des Saales in unmittelbarer Bühnennähe, verfolgt derweil die Polizei, im Beisein einer älteren ernst dreinblickenden und in Zivil gekleideten Dame, das Geschehen. Was mag in denen nur so vorgehen? Die Bedrohung am Bühnenrande ist dank Bujus grandioser Performance aber schnell vergessen.

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Er ist in gewohnter Weise nicht zu bremsen und präsentiert einen Hit nach dem Anderen. „Hills And Valleys“ (Inna Heights 1997), „Murderer“ und „Untold Stories“ (Til Shiloh 1995) und so fort. Mit dabei natürlich die neuen Stücke vom diesjährigen “Rasta Got Soul” Album. Immer wieder die üblichen Posen beim Gesang, den Kopf bis auf die Knie oder wirbelnden Schrittes die Knie bis an das Kinn, beim Marsch über die Bühne. Zum Bühnenbild gehören noch drei Backgroundsängerrinnen, die für die weitere optische und akustische Untermalung sorgen.

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Buju zieht durch ohne Pause und das fast zwei Stunden lang. Zwischendurch nur ab und zu ein etwas ruhiger Titel, der vielleicht für etwas Erholung sorgt. Sein blaues Hemd hat zum Ende der Show komplett den Farbton gewechselt und besitzt keine trockene Stelle mehr.

 

Eine Zugabe und einen richtigen Abschied gibt es nicht mehr, wurde aber auch von der Massive nicht eingefordert, da man offenbar mit dem endgültigen Ende noch gar nicht gerechnet hatte. Aber wer will es Buju verdenken, nach diesem kräftezehrenden Programm. Obwohl ich schon gerne paar weitere Knaller wie „Mighty Dread“ und „Better Must Come“ noch gehört hätte. Die Shiloh Band packt kurz nach Bujus Bühnenabgang ihre Instrumente ein, womit der Konzertabschluss dann endgültig klar ist. Inzwischen übernehmen die Soundsystems wieder das Ruder und halten die Massive weiterhin bei Stimmung. Wir treffen Marlon Asher und Strictly Love, die sich ebenfalls Bujus Show nicht entgehen lassen haben. Zwischen ihren eigenen Shows der Caribbean Invasion sind sie wieder nach Berlin zurückgekehrt. Jabbar atmet erleichtert auf und ist froh, dass dieses Event problemlos über die Bühne gegangen ist. Auch wir sind erleichtert, dass man uns Bujus Auftritt ungestört genießen lassen hat.

Die Inhaber der Backstagepässe dürfen nun auch wieder in Richtung Hof passieren, wo die grüne Farbe inzwischen wieder deutlich abgenommen hat. Es stürzt zwar noch einmal ein sichtlich erregter Polizist mit einschüchternder Miene an uns vorbei in den Saal, was uns nun aber völlig egal ist. Was er nur hat? Die werden sich doch nicht etwa ärgern, dass sie hier völlig überflüssig waren?

Vielleicht denkt man ja nun anders über Bujus Konzerte und Reggae-Events im Allgemeinen, wenn man die ausgelassene und friedliche Stimmung des Abends und Bujus beeindruckende Performance gesehen hat. Wir hoffen es zumindest. Noch mehr amtliche Zeugen wie an diesem Abend kann es ja kaum geben.

 

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Gut gelaunt geht er auf seine Gäste ein, stellt sich den Fotowünschen und signiert alle möglichen Vorlagen von der Eintrittskarte bis zum Poster u.A. Die Vorlage unserer Albencover zur Signierung ist dabei natürlich Pflicht. Buju freut sich darüber und bedankt sich für die mit dem Kauf der Alben gezeigte Unterstützung seiner Musik. Er ist sogar völlig überzeugt davon Marion beim Summerjam 2002 im Publikum gesehen zu haben. Möglich ist alles. Wer sich immer in der ersten Reihe bewegt kann durchaus damit rechnen.
 

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Text: Peter Joachim

Fotos: Peter Joachim feat. Marion

Mein besonderer Dank geht an Jabbar von Fire Feste / Blazin Fire Sound und natürlich den Akteuren des Abends selbst.

Kontakt zum Autor unter: reggaestory@t-online.de .

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