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Mellow Mark Interview 2014

14.03.2015

Melodie & Rhythmus präsentierte am 3.4.2014 ein Konzert von Mellow Mark, ROOFTOP RUNNERS (Electronische Musik) und FELIDAE TRICK (Gitarrensound). Nach dem Konzert haben wir ein ausführliches Interview geführt.

Hey Mellow, schön dich im Interview zu haben. Wie ist das heute für dich, mit zwei Bands aus komplett anderen Genres den Abend und das Publikum zu teilen?

 

Wir wollen ja immer Brücken bauen und vor allem immer versuchen Leute zu erreichen, die offen sind. Die Musiker sind auch offen und trotzdem fühlt es sich immer ein bisschen anders an als ein Konzert mit mehreren Reggae-Bands, gerade was den Backstage-Vibe angeht. Meistens ist es ja selbstverständlich, dass da viel Weed verbrannt wird.

 

In den letzten Jahren warst du in vielen verschiedenen Ländern unterwegs, auf großen und kleinen Bühnen, bist Stammgast auf Festivals, wie dem Chiemsee Reggae Summer und hast Features mit vielen, vielen anderen Künstlern gemacht… Gibt es aus den letzten Jahren persönliche Highlights?

 

Besonders schön fand ich die Release-Party – von der ihr auch berichtet hattet – mit Ganjaman, Flowin Immo, Volkanikman – der im Moment auch im Kommen ist – und vielen Berliner Freunden aus meinem Umfeld. Und das in einem einzigen Konzert. Das war cool, weil es dadurch ein bisschen wie ein Hosting-Show wurde. Das würde ich gerne noch weiter ausbauen, weil ich als One-Man-Band natürlich auch ne One-Man-Band sein kann, um mir eben noch Kumpels dazu zu holen.

Um es genau zu nehmen, ich bin jetzt dabei ein Album zu machen mit den Jungs von House Of Riddim, die auch dieses Jahr 10-jähriges Jubiläum feiern und auch grade ein großes Producer-Album machen mit vielen Artists. Dieses Album ist seit vier, fünf Jahren angedacht und ich hoffe, dass wir das hinkriegen, auch die ersten Nummern schon mal vorab zu bringen, weils einfach wichtig ist jetzt was neues zu machen. Ich habe ja im Dezember, Januar ein Live-Album released, welches aber nur einen neuen Song hatte. Der Rest war ja eigentlich bekannt. Das neue dabei war nur die One-Man-Show – L.I.E.B.E. – bei der alles von einer Person gespielt wird, was sich aber trotzdem anhört wie ein Trio oder ne Band. Dann ist der Punkt, dass ich auf dem kommenden Album mehrere Leute featuren will, wobei eines der nächsten wichtigen Features mit Ganjaman sein wird. Wir kennen uns seit 13 Jahren, aber haben noch nie wirklich einen Song zusammen gemacht.

Ich hab damals mit Natty Flow den TWO long-Riddim gevoiced mit „Bleib Positiv“ und Ganjaman hat da auch viel mitgesungen, aber wir haben noch nie wirklich einen Song zusammen gemacht. Der Mann ist einfach großartig, weil er die Eier hat, sich seit Jahren hinzustellen und einfach voll durchzuziehen was er für richtig hält. Am Anfang haben alle gelacht oder gelächelt und jetzt ist es einfach etabliert. Bumm. Er ist halt so und hat Spirit. Es gibt leider so wenig Leute, die sich auch wirklich trauen ihren Spirit zu bringen – auch grade auf deutsch.

 

Im letzten RIB-Interview vor 5 Jahren war der Islam schon ein Thema. Wie ist das mittlerweile, gerade jetzt als Vater?

 

Die Leute, die meine Musik schätzen sind zum kleinsten Teil Muslime und ich selber freue mich total, dass ich so viele Leute erreichen kann mit meiner Musik. Deswegen hab ich meine Musik universal gestaltet. Ich sitze sogar in einer unvorteilhaften Position, weil ich für die Muslime ein absoluter Außenseiter bin und als Muslim in der Reggae-Szene auch ein absoluter Außenseiter bin. Insofern ists für mich meine private Überzeugung, die nicht wirklich in den Vordergrund gebracht wird.

Ich denke schon, dass es sich auch auf die Erziehung auswirkt. Wenn deine Eltern Muslime wären, wärst du bestimmt auch geprägt davon. Aber das ist auch okay. Ich denke es ist fatal, was man in der Öffentlichkeit an den Kopf geworfen bekommt bei diesem Thema. Die Leute sind sehr geprägt von der westlichen Propaganda und ich bitte einfach alle ihren Geist zu befreien von derartigen Gedanken, wenn sie auf einzelne Muslime zugehen, weil es nicht automatisch so ist, wie die meisten denken.

Es gibt Salafisten, die extrem einen regeltreuen Islam predigen – ich bin Sofi, mir geht’s um die Liebe und das singe ich und das kommt hoffentlich auch rüber. Und jeder der daran zweifelt, der tut mir leid.

 

Du hast mal gesagt, dass Hans Söllner ein Vorbild für dich ist. Vor ein paar Tagen hat er hier in Berlin gespielt und ein paar seiner Erfahrungen mit der Polizei erzählt. U.a. von der Autodurchsuchung, bei der sein Auto völlig ramponiert wurde und letztendlich nichts gefunden wurde… Wie denkst du über das Verhältnis zwischen Reggae-Künstlern und der Drogen-Politik?

 

Weißt du, neulich hab ich gesagt es gibt Polizei-Beamte und es gibt Bullen und dann kam so n Typ zu mir – das war in Weimar – und der sagte zu mir „es gäbe keine Polizei-Beamte, es gibt nur Schweine“. Daraufhin hab ich gesagt, das hab ich schonmal gehört, das war ein paar Jahre her. Ich sagte, du musst anfangen den einzelnen Mensch zu sehen. Wenn du selbst anfängst dein Vorurteil in diese Person rein zu projizieren, dann wird das auch von dieser Person ausgehen.

Ich bin selbst schon hunderte Male angehalten worden, teilweise sogar zweimal in einer Stunde. Das war in Baden-Württemberg, dort ists noch schlimmer als in Bayern. Meine Einstellung dazu ist folgende: Ich hab mich viel informiert, es gab z.B. in den 80er Jahren in Hamburg, als die Hafenstraße-Hochzeit war mit den Straßenschlachten und den besetzten Häusern innerhalb der Polizei eine Gewerkschaft, eine Fraktion, die gesagt hat, wir wollen da nicht mit machen, das sind teilweise unsere Söhne, die da wohnen. Ich hau doch nicht meinem eigenen Sohn auf die Fresse, nur weil du mir den Befehl dazu gibst. Die Gruppe wurde dann glaube ich unterwandert und später wieder geschlossen. Aber es ist interessant, dass es damals überhaupt entstanden ist.

Wenn jetzt mal ein Polizei-Beamter da ist, der einfach auch ein Herz hat, der differenzieren kann, dann ists für mich kein Bulle. Dann sehe ich ihm in die Augen und wenn der auf mich menschlich reagiert, dann ists okay. Weil die bei mir nix finden werden. Ich hab seit über zehn Jahren kein Marihuana mehr geraucht. Passiv vielleicht, aber lässt sich nicht vermeiden. Berufsrisiko (lacht).

 

Siehst du auch Unterschiede zwischen deiner Heimat Bayern und Berlin?

 

Hundert Pro. Obwohl du hier in Berlin ja total viel bayerische Polizisten findest. Weil die ja hier trainieren. Neulich haben wir ne Fotosession gemacht, im berühmten Elsner-Haus, wo jetzt Just Music drin ist auf vier Etagen. Dieses Haus war damals noch leerstehend und ich hatte oben im Haus mit nem Fotografen ne Session im Winter. Wir hatten Licht dabei und mussten ein langes Kabel legen nach oben in den vierten Stock. Als wir fertig waren, wars dunkel und wir mussten durchs Treppenhaus runter, hatten aber keinen Strom mehr. Wir mussten also mit Taschenlampen leuchten, während wir mehrere Cases, Musik- und Kameraequipment, Blitzanlage und so runter trugen. Wir sind da immer auf und ab und haben in die Autos eingeladen, wollten grade losfahren und es kamen sechzehn schwer bewaffnete Polizisten im Einsatzwagen und zwei Zivil-Polizisten im BMW. Wir wurden gefragt, was wir in diesem Haus gemacht haben und was wir genommen hatten. Von wegen Baustellenraub. Als sie uns dann festnehmen wollten, klärten wir dann die Sache auf, erzählten, dass wir Schlüssel haben und dort ganz legal waren, unsere eigenen Sachen einladen. Wir wurden gefragt, welche Musik wir machen und ich erzählte ihnen von Mellow Mark. Ich hatte grade ein Potsdamer Kennzeichen und ein paar der Polizisten kamen sogar von dort. Ich hab vom Bundesvision Song Contest erzählt, die Beamten waren gleich begeistert: „für Brandenburg, cool“. Eine Polizistin war dabei, ich hatte ihr gleich ne CD in die Hand gedrückt. Sie hatte sich bedankt und als der Kollege auch eine wollte, sagte ich „fünf Euro“ zu ihm (Mellow grinst). Ich hab gleich Flyer verteilt, hab alle zum Voten aufgefordert. In dem Moment hat sich dann alles in Wohlgefallen aufgelöst. War ne total lustige Story.

Ich glaube, wenn du mit Liebe auf andere zugehst, kann eben auch die Liebe zu dir zurückkommen. Was du gibst, ist was du kriegst. Karma eben.

 

Crowdfounding wird immer häufiger eingesetzt. Seit Ende letzten Jahres ist das Album L.I.E.B.E. draußen, das du mithilfe deiner Fans finanziert hast. Wie ist deine Erfahrung mit dieser Art der Unterstützung?

 

Wir waren da total vorsichtig. Dieses Jahr hat auch Flowin Immo Start Next für Crowdfounding benutzt, der den Betrag vier mal höher als wir angesetzt hatte – er hats auch geschafft. Wir wussten nicht wie viel Geld wir durch unser minimal benötigtes Budget angeben sollen, wir haben dabei null verdient.

Mein Mitproduzent ist leider auch wieder in nem andern Job und ist nicht mehr mit unterwegs. Und L.I.E.B.E. Ist eigentlich sein Baby. Er hat seine Zeit und sein Know-how investiert, hat 50 Konzerte mit je 2 Stunden mitgeschnitten. 100 Stunden Material. Das war heftig. Wir konnten von unseren vielen unglaublichen Shows viel Material nicht verwenden, weil ich mich mit der One-Man-Band auch mal verspielt hatte und auf der CD das dann schlechter klingt als Live. Es gibt Konzerte, bei denen das Publikum komplett durchdreht, da wird man selbst so mitgerissen, dass ich teilweise ne verstimmte Gitarre nicht gehört hatte oder das ich nen Text verkackt hatte, weil ich auch so euphorisch wurde, als die Leute so drauf waren.

 

 

Die limitierte Auflage der CD wird von Hand besprüht. Machst du das selbst?

 

Ja, aber nicht nur ich. Ich hatte ein paar coole Ideen. Viele Ideen waren aber auch von Maria, die das komplette Grafik-Artwork gemacht hat. Maria gehört zur Bodenstation, Würzburg/Kitzingen. Das ist ne ganz alteingesessene Headshop-Family, die dort zwei Shops hat und auf allen Festival seit Jahren immer einen Stand. Die auch früher Größen des Reggae nach Deutschlang geholt hatten, wie Mad Professor.

Maria hat halt auch das Know-how, wie die Schablonen am besten erstellt werden, dass die nicht gleich kaputt gehen. Nach 30 CDs brauchst du neue Schablonen. Aber das handgemachte Ding ist halt schön. Wir verkaufen nicht so viel, dafür verkaufen wir mit Liebe. Auch die handgebleichten T-Shirts. Das ist n gutes Konzept dafür. Leider ist auch das eine One-Man-Show.

 

Was wird dich und uns in 2014 erwarten?

 

Das Album mit House of Riddim und hoffentlich viele geile Features, aber auch die One-Man-Show, Konzerte, Festivals und viel neues Songwriting auf jeden Fall. Mal kucken was passiert.

Viele Leute sagen mir auch, ich solle mehr Hip-Hop machen, weil Reggae zur Zeit nicht geht. Aber das geht nicht so einfach. Du musst einfach das machen, was in dir schlummert und raus will und ich finde Reggae als Plattform einfach total gut.

Eines möchte ich noch loswerden: Ich habe einen lustigen Weg hinter mir, ich bin damals von Hamburg nach Berlin mit meinem Label und mit Pyro zusammen und bin irgendwann von Kreuzberg nach Potsdam. Potsdam ist aber ja neben der Schönheit auch eine Stadt der reichen Leuten, in der leider nicht unbedingt „der“ Kiez ist, in dem die Kreativität abgeht. Es gibt natürlich auch coole Leute, Potsdam West, Leute vom Cafe Elflein, die meine Brandenburg-Tour gemacht hatten.

Freunde von uns haben einen Bauernhof gekauft und bauen den jetzt langsam Schritt für Schritt auf und wir leben jetzt mit unseren zwei Töchtern dort auf unserer kleinen Farm. Für mich ists cool, dort dieses Bye bye Babylon Gefühl zu leben. Ich brauch nicht immer Netz und W-LAN, ich bin happy ohne. Ich muss nicht immer im Elektro-Smog sein. Gerade, wenn ich mir meine Kinder anschaue, die sind happy ohne die Technologie. Da gibt’s Pferde, Ponys, viel Platz. Und ich komm nach Berlin wann ich will, es ist wirklich gut so. Das ist Teil meines Lebensgefühls grade. Da gehört dazu, dass ich mein eigenes Label gegründet habe, meine eigene Platte produziere und versuche – was ich bisher nicht konnte und hoffentlich selber bald schaffe – mein eigenes Label, mein Booking, das alles etwas erfolgreicher zu strukturieren. Sonst ist da niemand bei mir, der das macht, im Gegensatz zu anderen Bands, die dann mehr Zeit haben zum Musik machen.

Ich hab noch n Job, tagsüber in Schulen, und ich probe dann abends auf der Bühne oder beim Soundcheck. Ich wünsch mir einfach total, dass ich wieder dazukomme mehr Musik zu machen. Ich bin mir auch bewusst, wenn es das jetzt gewesen sein soll – keine Ahnung was morgen sein wird – dann wars trotzdem sehr gut. Und dieses Bewusstsein hab ich dort draußen. Ich sehe alles klar, ich bin dort glücklich.

 

 

Danke dir Mellow für das Interview. (Tobias Kellermann)

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