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JahCure - Interview

05.11.2008

 

Lange musste die Welt auf JahCure"s Auftritte warten, der wegen angeblicher Vergewaltigung und Waffenbesitzes acht Jahre lang in Haft saß. Ungefähr ein Jahr nach seiner Gefängnisentlassung gab er nun sein erstes Deutschlandkonzert überhaupt auf der SummerJam in Köln. Es war ein unglaublicher Moment, den sowohl die Anwesenden als auch der Künstler selbst wahrscheinlich nicht so schnell vergessen werden. Nach dem Konzert bot sich uns kurz die Gelegenheit JahCure in der Pressekonferenz zu treffen.

 

 

Welchen Eindruck hast du vom Summerjam Festival und von deiner Show?

Es war großartig, wie die Leute mich empfangen haben. Es ist das erste Mal überhaupt, dass ich in Deutschland auftrete. Darauf habe ich schon gewartet. Ich freue mich jetzt endlich die Gelegenheit zu haben durch Europa touren zu können. Wenn ich auf der Bühne stehe, geben mir meine Fans erst die Energie für meine Musik und meine Show. Es macht großen Spaß egal wie groß oder klein das Publikum ist.

Jah Cure

Hatest du das Gefühl, dass die Leute dich erwartet haben?

Ja. Viele mussten so lange warten und haben an meinem Schicksal teilgenommen. Deswegen will ich nun den Leuten geben was sie brauchen. Meine Mission ist es die Menschen durch Musik zu heilen. Bob Marley sagte einst „Free the people with music“. Mein Ziel ist es „to cure the people with music“. Ich bin froh, dass das Publikum die Show genauso genossen hat wie ich. Das ist für mich sehr wichtig.

Du bist seit ca. einem Jahr wieder frei. Wie hast du die Zeit seitdem verbracht?

Ich habe die ganze Zeit gearbeitet, um meine Musik weiter in der Karibik und nach Europa zu bringen. Zwischendurch hatte ich kaum Freizeit. Das ist aber auch gut so. In Gefängnis hatte ich genug Zeit für mich. Nun ist es an der Zeit etwas zu tun. Jetzt arbeite ich an meinem Album und habe Auftritte auf der ganzen Welt. Musik ist mein Leben und ich arbeite hart für meinen Erfolg.

Unterscheiden sich die Konzerte von kurz nach deiner Entlassung von dem, welches wir heute gesehen haben?

Auf jeden Fall. Nach meiner Entlassung musste ich sozusagen erstmal wieder warm werden. Meine Band und ich mussten uns erst auf einander einstimmen. Wir habe viel geprobt und mit jedem Konzert wurden wir besser und werden es immer noch. Das Konzert heute war das Ergebnis von einem Jahr Arbeit. Es ist meine größte Freude auf die Bühne zu gehen, um für die Menschen zu singen. Ich lieb was ich tue und ich tue was ich liebe. Mein ganzes Leben dreht sich nur um Musik.

Jah Cure

Du hast auf der Bühne von Bob Marleys Einfluss auf dich gesprochen. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Jeder, der in Jamaika aufgewachsen ist und Reggae macht ist von Bob beeinflusst. Er ist der King of Reggae und er hat den Weg für alle geebnet, die nach ihm kamen. Viele würden heute vielleicht gar kein Reggae spielen, wenn Bob Marley nicht gewesen wäre. Seine Botschaft ist damals wie heute von großer Aktualität und es ist wichtig, dass Künstler wie ich sie weiter verbreiten. Ich fühle mich auf die Musik bezogen als Bob Marleys Sohn.

Seit dem du aus dem Gefängnis bist, bekommst du sicherlich eine Menge Aufmerksamkeit von Journalisten, Fans... Wird dir das manchmal zu viel?

Ich hatte genug Zeit für mich, als ich im Gefängnis war und ich habe diese Zeit genutzt. Das Leben ist zu kurz, um es zu verschlafen. Jetzt ist die Zeit für mich gekommen etwas zu tun. Ich habe mich danach gesehnt vor tausenden Menschen aufzutreten. Es macht mir nichts aus so viel Aufmerksamkeit zu bekommen, solange es eine gute Promotion ist.

Hast du von Anfang an mit deinem Erfolg gerechnet?

Es war meine Bestimmung genau das zu tun, was ich tue. Bevor ich ins Gefängnis musste, arbeitet ich gerade an meinem ersten Album und an einer Tour, um es zu promoten. Meine erste Tour ging durch England mit Berres Hammond zusammen. Danach tourte ich durch Amerika. Durch meine Inhaftierung wurde vieles unterbrochen, doch ich entschloss mich nicht aufzuhören. Viele Menschen kannten mich damals schon, doch stand noch am Anfang. Ich wollte nicht warten bis ich wieder draußen war. Es gelang mit die Aufsichtspersonen davon zu überzeugen ein Studio im Gefängnis einzurichten. Das war für alle Gefangenen ein großer Erfolg, denn es war an und für sich illegal, aber wie könnte denn Musik illegal sein? Kaum jemand draußen wusste davon bis „Longing for“ in den Charts auftauchte. Danach kamen Produzenten ins Gefängnis, um mit mir Songs aufzunehmen. Ich arbeitete auch mit anderen Insassen zusammen und sagt für sie ihre Texte.

Jah Cure

Ich habe gehört, dass dein Urgroßvater Deutscher war. Stimmt das?

Ja das stimmt. Einige meiner Familienmitglieder versuchen zur Zeit unsere Verwandten hier ausfindig zu machen. Das war auch mit der Grund, warum ich es kaum erwarten konnte nach Deutschland zu kommen. Ich wollte den Menschen hier von meinem Urgroßvater erzählen und sagen: „Hey, ich fühle mich wie zu Hause, denn ich bin einer von euch.“.

Danke für das Interview

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